Warum ist Wasser so wichtig?
Wasser ist die Lebensgrundlage unseres Planeten. Längst wird Wasser nicht mehr nur zum Trinken, Bewässern und Reinigen verwendet. Es ist ein Rohstoff für die Industrie, kühlt Kraftwerke und Produktionsanlagen. Doch auf lange Sicht ist unsere bisherige Art der Wasserversorgung bedroht. Klimatische Extreme bringen mal Trockenheit, dann wieder Starkregen. Das hat weitreichende Folgen – für Industrie, Kommunen und Energieversorger. Deshalb ist es wichtig, Lösungen zu entwickeln, von neuen Kühlkonzepten, über digitale Wasserstandprognosen bis zum Wandel in Kommunen.
Wieviel Wasser benötigt Deutschland?
Die gesamte Wasserentnahme in Deutschland liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bei etwa 67 Milliarden Kubikmetern. Das entspricht grob dem Inhalt des Genfer Sees.
- Rund 68 Prozent davon wird durch die Landwirtschaft entnommen.
- Die Energieversorgung hat einen Anteil von 11 Prozent.
- Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie Industrie entnehmen jeweils rund 6 Prozent Wasser.
- Bergbau liegt bei 2 Prozent.
- Private Haushalte liegen bei gerade einmal 0,4 Prozent.
Verschiedene Statistiken zur Wassernutzung
Die Angaben zur Wassernutzung in Deutschland können aber je nach Statistik sehr unterschiedlich sein. Grund ist die Berechnungsgröße. Manche Übersichten zeigen zum Beispiel nur den Trinkwasserverbrauch, der deutlich niedriger ist als die Gesamtentnahme von Wasser. Die Landwirtschaft nutzt aber auch Regen- und Bodenwasser, das manchmal mit in die Statistik einfließt. Kraftwerke wiederum leiten Kühlwasser wieder in den Fluss zurück. Es besteht also ein Unterschied zwischen Wassernutzung und -verbrauch. Je nachdem ist auch die Reihenfolge der größten Wasserverbraucher eine andere: Der Deutsche Bauernverband beispielsweise bezieht sich auf Statistiken, in denen der Anteil der Land- und Forstwirtschaft am Wasserverbrauch bei nur zwei Prozent liegt.
Herrscht in Deutschland wirklich Wasserknappheit?
Ja, auch in Deutschland wird Wasser knapper. Zu diesem Ergebnis kam eine im März 2026 veröffentlichte Studie des Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Ende 2025 fehlten hierzulande rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum üblichen Niveau. Die Gründe: 18 Prozent weniger Regen als im langjährigen Durchschnitt und mehr Verdunstung durch hohe Temperaturen. Fast ganz Europa, so das Ergebnis der Studie, hat inzwischen ein Wasserdefizit.
In Deutschland sind aber nicht alle Regionen gleich von dem Wassermangel betroffen. So trifft es den Osten Deutschlands härter als den Süden.
Welche Ursachen hat die Wasserknappheit?
Es gibt viele Gründe, warum das Grundwasser im Boden zurückgeht und die Flusspegel sinken. Die drei wesentlichen sind:
- Der Klimawandel führt dazu, dass sich Ozeane und Luftströmungen erwärmen, gleichzeitig Gletscher schmelzen. Das beeinflusst den weltweiten Wasserkreislauf und sorgt zunehmend für Wetterextreme wie anhaltende Trockenperioden.
- Hinzu kommen städtebauliche Ursachen: Immer mehr Flächen werden versiegelt – gerade auf asphaltierten Straßen und Gehwegen ist der Boden so dicht, dass er keine Niederschläge mehr aufnehmen kann. Folge: Das Regenwasser wird fortgespült und kann nicht ins Grundwasser sickern.
- Zudem wird teils zu viel Wasser entnommen: Zwischen 2003 und 2020 hat Deutschland auch deshalb rund 15 Milliarden Tonnen Wasser verloren. Eine Untersuchung des BUND von 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass 201 von 401 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland mehr Grundwasser nutzen als sich durch Niederschläge neu bilden kann. Besonders betroffen sind nicht nur die bekannten Trockenregionen im Osten Deutschlands, sondern auch Ballungszentren wie die Rheinschiene und Regionen in Niedersachsen.
Wie beeinflusst der Klimawandel die Wassermenge?
Der Klimawandel beeinflusst den weltweiten Wasserkreislauf: Steigen die Temperaturen, verdunstet mehr Wasser und regnet an anderen Orten wieder ab. Das kann sich in einzelnen Regionen im Wechsel zu Starkregen, Hochwasser oder Trockenheit aufschaukeln. In Deutschland haben solche Extremwetterereignisse in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. Der Grund: Die Durchschnittstemperatur in Deutschland ist seit dem späten 19. Jahrhundert um etwa zwei Grad gestiegen. Es gibt deutlich mehr heiße Tage und die Hitzeperioden werden länger und intensiver.
Die einzelnen Regionen sind allerdings unterschiedlich betroffen. Während Brandenburg stärker unter der Trockenheit leidet, ist die Lage in Süddeutschland besser. Dort führt die Schneeschmelze jedes Frühjahr Wasser aus den Alpen heran. Die Menge bleibt aber nicht gleich. Wenn die großen Gletscher schrumpfen, werden kurzfristig große Mengen an Wasser in die Ebenen befördert. Das kann sogar zu Hochwasser führen. Auf lange Sicht führen die verbliebenen Gletscher aber nur noch wenig Wasser heran, was den Mangel regional verschärfen kann.
Schematische Darstellung des Wasserkreislaufs
An welchen Stellen gefährdet Wassermangel die kritische Infrastruktur?
Wassermangel kann die kritische Infrastruktur auf unterschiedlichen Ebenen schwächen. Trockenheit verringert die Vorräte in Trinkwasserspeichern, wie Talsperren. Fällt der Pegel von Flüssen, kann das wiederum Folgen für die Stromerzeugung aus Wasserkraft haben. Außerdem ergeben sich Probleme für die Kühlung von Gas- und Kohlekraftwerken.
Kritische Infrastruktur wird aber auch durch Hochwasser bedroht. Besonders ernst wäre ein Ausfall des Stromnetzes. Sind Umspannwerke und Trafo-Stationen lahmgelegt, können auch Wasserwerke nicht mehr arbeiten. „Ohne Strom funktionieren die Pumpen nicht, dann gibt es kein Trinkwasser und auch die Abwassersysteme können nicht mehr arbeiten“, sagt Markus Moser, Referatsleiter Gewässer, Hochwasserschutz und Gewässerökologie im Regierungspräsidium Stuttgart.
Welche Folgen hat Wasserknappheit für Kommunen und Wirtschaft?
Städte und Gemeinden sind auf vielfältige Weise von Wassermangel betroffen. An heißen Tagen war die Wasserversorgung in den vergangenen Jahren an manchen Orten bereits gestört, wie im Sommer 2020 in der niedersächsischen Gemeinde Lauenau. Hochbehälter liefen leer und das Leitungsnetz war überfordert, wenn zu viel Wasser für Industrie, Landwirtschaft und Gartenbau entnommen wurde.
Eine Bedarfsprognose des Regierungspräsidiums Stuttgart zeigt: Mehr als die Hälfte der Kommunen in Baden-Württemberg wird unter den heutigen Bedingungen den Spitzenbedarf an Trinkwasser 2050 nicht decken können. Ein Alarmsignal. Kommunen müssen neue Quellen erschließen und in die Aufbereitung von Wasser investieren. Die Landesregierung stellt dafür laut Regierungspräsidium Stuttgart 2026 Fördermittel 88 Millionen Euro bereit.
Welche Rolle spielt Wasser für die Industrie?
Industrieunternehmen brauchen viel Wasser – und das aus mehreren Gründen: Erstens kühlen Stahlwerke, Chemieanlagen und Raffinerien ihre Anlagen mit Wasser. Zweitens dient es als Rohstoff – etwa in der Papierproduktion oder beim Herstellen von Lebensmitteln und Getränken. Auch in der Halbleiterindustrie werden extreme Mengen hochreinen Wassers benötigt. An großen Standorten wie Dresden werden die Chipfabriken bis 2030 fast 40 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs der Stadt ausmachen.
Von Wasserknappheit sind daher auch Industrieunternehmen und Energieerzeuger betroffen. Sie müssen im Fall von Niedrigwasser ihre Produktion drosseln, was zu sinkenden Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten führt. Auch Wasserkraftwerke selbst sind bei Niedrigwasser weniger produktiv: 2025 sank der Ertrag von Laufwasserkraftwerken aufgrund von Niedrigwasser bundesweit. Auch die EnBW war 2025 davon betroffen.
Drei Beispiele für große Wassernutzer in Deutschland
Der von der Heinrich-Böll-Stiftung Ende 2025 herausgegebene Wasseratlas zeigt:
- Der Chemiekonzern BASF gehört mit 1,3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu den größten Wassernutzern Deutschlands. Der größte Teil davon wird aus dem Rhein entnommen, zum Kühlen verwendet und später wieder zugeführt.
- Heftig zu Buche schlägt auch der Energiebereich mit Unternehmen wie dem Großkraftwerk Mannheim. Es erzeugt mit mehreren Steinkohleblöcken Strom und Fernwärme für Millionen Menschen. Die genutzte Menge liegt bei 715 Millionen Kubikmetern pro Jahr, die als Kühlwasser verwendet werden.
- Auch in Ostdeutschland nutzt die Kohleindustrie enorme Wassermengen. Nicht nur für die Kühlung, sondern auch für den noch vorhandenen Abbau von Kohle. Der Grundwasserspiegel wird großräumig abgesenkt, damit die Gruben nicht volllaufen. Allerdings wird das Wasser nicht im eigentlichen Sinne verbraucht, sondern nur entfernt.
Politik: Was steht in der Nationalen Wasserstrategie?
Die neue Nationale Wasserstrategie des Bundes von 2026 zielt darauf ab, die Wasserversorgung in Deutschland langfristig zu sichern – auch unter den Bedingungen des Klimawandels. Dafür sollen Wasserressourcen besser geschützt, sparsamer genutzt und fairer verteilt werden – zwischen Landwirtschaft, Industrie, Energiewirtschaft und Haushalten. Zugleich geht es darum, Infrastruktur und Landschaft so anzupassen, dass sie Dürre, Starkregen und Nutzungskonflikte besser verkraften. Mit anderen Worten: Wasser soll nicht mehr wie eine Selbstverständlichkeit betrachtet, sondern zur gesteuerten Ressource werden.
Welche Verbraucher haben Vorrang bei Wasserknappheit?
Bereits heute regelt das Wasserhaushaltsgesetz indirekt, welche Verbraucher im Falle einer Wasserknappheit Vorrang haben. Vor allem aus Paragraph 50 lässt sich ableiten, dass die öffentliche Trinkwasserversorgung Priorität besitzt. Paragraph 12 wiederum ermächtigt die zuständigen Behörden über die Bewirtschaftung von Wasserressourcen zu entscheiden. Auch wenn es langfristige Verträge gibt, kann auf dieser Grundlage die Entnahme eines Unternehmens beschränkt werden, um die Trinkwasserversorgung zu sichern.
Wasser und Energie – wo liegen die Abhängigkeiten?
Die Verfügbarkeit von Wasser ist von großer Bedeutung für Energieunternehmen. Sie erzeugen Strom in Flüssen und mit Pumpspeichern, außerdem benötigen Kohle- und Kühlwasser.
Warum ist Kühlwasser so wichtig für die Energiebranche?
Energieerzeuger in Deutschland benötigen heute nur noch Wasser für Kohlekraftwerke, die aber in den kommenden Jahren stillgelegt werden. Vor dem Atomausstieg waren auch Kernkraftwerke darauf angewiesen. Gaskraftwerke müssen zwar auch gekühlt werden, allerdings in weit geringerem Umfang.
Bei herkömmlichen Kraftwerken entsteht Dampf, der eine Turbine antreibt, um Strom zu erzeugen. Danach muss der Dampf wieder abgekühlt werden. Diese Aufgabe erledigt kaltes Wasser aus großen Flüssen wie Rhein, Elbe und Weser. Es nimmt die Wärme auf und wird anschließend wieder in den Fluss zurückgeleitet.
Probleme entstehen, wenn Flüsse zu wenig Wasser führen oder zu warm werden. Dann greifen für die Betreiber der Kraftwerke strenge Vorschriften. Sie dürfen nur noch wenig Kühlwasser entnehmen, damit die Flüsse nicht stärker aufgeheizt werden. Bei zu hohen Wassertemperaturen würden Pflanzen und Tiere gefährdet und die Gewässerökologie geriete aus dem Gleichgewicht.
Ein Mangel an Kühlwasser kann dazu führen, dass Kraftwerke ihre Leistung herunterfahren müssen. Das passierte in Dürreperioden in mehreren europäischen Ländern – etwa in Frankreich, das noch stark auf Kernkraft setzt.
Auch die EnBW betreibt derzeit noch Kraftwerke mit Kohle, die viele Millionen Liter Kühlwasser am Tag benötigen – je nach Betriebsstunden und Kühltechnik. Durch den verstärkten Einsatz moderner Kühlanlagen, wie zum Beispiel Luftkühler, ist der Wasserbedarf jedoch in der Vergangenheit deutlich gesunken. Auf moderne Technologien setzt die EnBW auch bei Gaskraftwerken, die noch in Betrieb sind, zum Teil neu errichtet und später auf klimaneutralen Wasserstoff umgestellt werden sollen. Neubauten an alten Kohlestandorten sollen zum Beispiel vorhandene Kühltürme der Kohlekraftwerke weiter nutzen. Flusswasser ist dann zur Kühlung nicht mehr nötig.
Welche Rolle spielt die Stromgewinnung aus Wasser?
Wasserkraft ist ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale Stromerzeugung in Deutschland und liefert knapp zehn Prozent des erneuerbaren Stroms im öffentlichen Netz. Die Anlagen sind außerdem nicht vom Wetter abhängig wie Wind und Photovoltaik. „Sie liefern Grundlast und können dadurch helfen, das Stromnetz zu stabilisieren“, sagt Andreas Mühlig, Aufsichtsratsvorsitzender der Schluchseewerk AG, an der die EnBW mit 37,5 Prozent beteiligt ist.
Die Erzeugungsform leistet auch einen wesentlichen Beitrag zum Hochwasserschutz, weil sie durch Staudämme und Speicherbecken einen Rückhalteraum schafft, Hochwasserspitzen kappt und Wasser kontrolliert abgibt. Fast alle 7.300 Wasserkraftwerke stehen in Süddeutschland und werden zum Beispiel von der EnBW zusammen mit Partnern betrieben.
Wo liegen die Risiken für Betreiber von Wasserkraft?
Sinkt der Pegel in Flüssen oder Stauseen, treibt weniger Wasser die Turbinen an – die Stromproduktion sinkt. Laufwasserkraftwerke sind besonders betroffen, weil sie anders als Pumpspeicherkraftwerke kaum Wasser vorhalten können. Bei Niedrigwasser müssen Turbinen teilweise gedrosselt oder abgeschaltet werden.
Studien zeigen, dass der Klimawandel in Europa die Stromerzeugung aus Wasserkraft langfristig um 5 bis 15 Prozent drosseln könnte. Im Süden des Kontinents werde der Rückgang eher am oberen Ende der Spanne sein. In Deutschland insgesamt ist die Menge des aus Lauf- und Pumpwasser erzeugten Stroms aufgrund der Trockenheit im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die EnBW-Tochter Naturenergie, die zahlreiche Laufwasserkraftwerke betreibt, bestätigt den langfristigen Trend: „Am Rhein beobachten wir einen leichten, aber kontinuierlichen Rückgang der Wasserführung – etwa ein bis zwei Prozent innerhalb von zehn Jahren“, sagt Asset-Manager Jochen Ulrich. Eine klare, wenn auch moderate Veränderung.
Dennoch gibt es Anlagen, die auch künftig ausgelastet sein werden. Sie haben eine besondere Rolle unter den erneuerbaren Energien. Anders als mit Wind und Sonne lässt sich mit Hilfe der Wasserkraft Grundlast erzeugen, mit der die Netze stabilisiert werden können. Mit Pumpwasser angetriebene Kraftwerke sind zudem eine Möglichkeit, Energie zu speichern. Überschüssiger Strom pumpt Wasser in höher gelegene Becken. Bei Bedarf fließt das Wasser nach unten und treibt Turbinen an.
Wie lässt sich das Energiesystem vor Wasserstress schützen?
Für Energieunternehmen gibt es zahlreiche Wege, um sich vor Problemen zu wappnen, die Wasser verursachen kann. Dazu zählen:
Fazit: Wassermanagement verbessern – Nichtstun ist am teuersten!
Wasser beeinflusst Energiebranche und Infrastruktur mehr als viele Menschen denken. Politik, Industrie, Versorgungsunternehmen und Kommunen steht ein ganzer Strauß von Möglichkeiten zur Verfügung, den Umgang mit der Ressource Wasser zu verbessern. Das ist teuer – aber deutlich günstiger als die Schäden, die durch Wasserknappheit, Dürre oder Hochwasser entstehen können. Eine Studie der Beratungsfirma BCG und des Umweltverbands Nabu beziffert die Lasten auf bis zu 625 Milliarden Euro bis 2050. Das entspricht rund 25 Milliarden Euro pro Jahr.