Wir setzen konsequent auf den Ausstieg aus fossilen Energien und haben die Dekarbonisierung zum Kern unserer Unternehmensstrategie gemacht. Mit Fuel-Switch-Projekten bauen wir die Brücke von Kohle zu Erdgas und später zu Wasserstoff – und investieren dabei massiv in eine zukunftsfähige Energieerzeugung.
Am Standort Stuttgart-Münster haben wir eines der ersten H₂-ready-Gaskraftwerke Deutschlands in Betrieb genommen. Die bisherigen Kohlekessel und heizölbetriebenen Turbinen wurden durch eine hocheffiziente Gasturbinenanlage mit einer Leistung von insgesamt 124 Megawatt ersetzt.
Der Ausstieg aus fossilen Energien ist eines der wichtigsten Ziele der Energiewende. Die EnBW unterstützt aktiv das Pariser Klimaabkommen und die daraus abgeleiteten Dekarbonisierungsziele der EU (2050) und Deutschlands (2045). Wir beschleunigen unsere eigene Transformation und senken den CO₂-Ausstoß unserer Kraftwerke, in dem wir zunächst von Kohle auf Erdgas umstellen. Je nach eingesetztem Brennstoff und Anlagenwirkungsgrad verursacht Erdgas dabei bis zu 60 % weniger Emissionen als Braun- oder Steinkohle0Quelle: IPCC, Stand: 1.5.2026.
Erneuerbare Energien können den Strombedarf heute noch nicht durchgehend allein decken. Gaskraftwerke dienen daher als Übergangstechnologie: Sie gleichen wetterbedingte Schwankungen der Wind- und Solarstromerzeugung aus und sichern die Versorgungssicherheit. Ihr Vorteil: Sie sind sehr flexibel steuerbar und lassen sich technisch so auslegen, dass eine spätere Umstellung auf Wasserstoff grundsätzlich möglich ist – sobald ausreichend Wasserstoff verfügbar ist und die notwendige Umrüstung erfolgt.
Der Begriff „Fuel Switch“ beschreibt den Wechsel von fossilen Energieträgern. Für uns bedeutet das: Wir modernisieren unsere Kraftwerke und stellen die Strom- und Wärmeerzeugung erst von Kohle auf Erdgas um. Langfristig streben wir an, in einem zweiten Schritt auf Wasserstoff umzustellen. Deshalb bauen wir neue Gaskraftwerke heute schon so, dass eine spätere Nutzung und Beimischung von Wasserstoff möglich ist.
In Stuttgart-Gaisburg haben wir bereits 2019 ein hauptsächlich mit Kohle betriebenes Heizkraftwerk durch ein modernes Gas-Heizwerk ersetzt. Mit den drei EnBW-Standorten Altbach/Deizisau, Heilbronn und Stuttgart-Münster bringen wir weitere Fuel Switch-Projekte auf den Weg. Diese Standorte werden wir modernisieren und in Abhängigkeit von entsprechenden Rahmenbedingungen weiterentwickeln.
Wir betreiben an sieben Standorten konventionelle Kraftwerke und sind an weiteren Anlagen beteiligt. Unsere Kraftwerke bieten nicht nur gute Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit, sondern auch sehr hohe Wirkungsgrade, etwa durch Kraft-Wärme-Kopplung
Wir investieren hohe Millionenbeträge in die technische Optimierung. Nicht jedes Kraftwerk befindet sich dabei aktiv im Markt: Der ältere Block des Heizkraftwerks Altbach/Deizisau zum Beispiel ist in Netzreserve und kommt auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers nur bei Bedarf zum Einsatz, um die Netzstabilität zu sichern.
Unsere Kraftwerke und Standort-Beteiligungen im Überblick
Der Kraftwerksstandort Obrigheim liegt zwischen Heidelberg und Heilbronn direkt am Neckar und hat die Energieerzeugung in Baden-Württemberg über Jahrzehnte geprägt. Am Standort wird derzeit ein Neubauprojekt für flexibel regelbare Kraftwerksleistung geprüft: Eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage könnte zunächst mit Erdgas betrieben und dann zu einem späteren Zeitpunkt auf Wasserstoff als Brennstoff umgestellt werden.
- Energieträger: Erdgas, künftig auch Wasserstoff
- Geplante elektrische Nennleistung: ca. 850 MW
Das Grosskraftwerk Mannheim wurde 1921 in Betrieb genommen. Am Standort produzieren vier steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme für die Rhein-Neckar-Region im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zwei dieser Blöcke befinden sich inzwischen in der Netzreserve und werden nur bei Bedarf des Netzbetreibers eingesetzt.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 32 %
- Energieträger: Steinkohle, künftig auch Erdgas und Wasserstoff
- Werkleistung: 2.146 MW
- Fernwärmeleistung: 1.500 MW
Das Heizkraftwerk Altbach/Deizisau ging 1899 erstmals in Betrieb. Am Standort produzieren drei Gasturbinenanlagen und zwei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Heizkraftwerk 1 ist seit 2017 in der Netzreserve und sichert die Netzstabilität. Heizkraftwerk 2 wird seit 1997 betrieben. Am Standort wird derzeit ein Neubauprojekt für flexibel regelbare Kraftwerksleistung gebaut: Eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage wird zunächst mit Erdgas betrieben und könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt auf Wasserstoff als Brennstoff umgestellt werden.
- Energieträger: Steinkohle, Heizöl und Erdgas, künftig auch Wasserstoff
- Werkleistung: 1.018 MW
- Fernwärmeleistung: 280 MW
Das Heizkraftwerk Heilbronn, eines unserer größten Steinkohlekraftwerke, und ging 1923 erstmals in Betrieb. Am Standort produzieren drei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zu Regelungszwecken wurde im Jahr 2017 eine Kraftwerksbatterie mit 5 Megawattstunden Kapazität in Betrieb genommen. Am Standort wird derzeit ein Neubauprojekt für flexibel regelbare Kraftwerksleistung gebaut: Eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage wird zunächst mit Erdgas betrieben und könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt auf Wasserstoff als Brennstoff umgestellt werden.
- Energieträger: Steinkohle, künftig auch Erdgas und Wasserstoff
- Werkleistung: 1.028 MW
- Fernwärmeleistung: 320 MW
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Gaisburg versorgt das Stuttgarter Fernwärmenetz zuverlässig mit Energie. Seit 1950 erstmals in Betrieb, wurde der Standort von 2017 bis 2019 grundlegend modernisiert. Heute produzieren drei Gasmotoren Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zur Fernwärmeerzeugung stehen zudem fünf erdgasbefeuerte Kessel zur Verfügung. Mit einem zusätzlichen Wärmespeicher von 300 Megawattstunden Kapazität erfüllt das Kraftwerk für die Fernwärmeregion Stuttgart/Mittlerer Neckar eine wichtige Spitzen- und Reservefunktion.
- Energieträger: Erdgas
- Werkleistung: 30 MW
- Fernwärmeleistung: 310 MW
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Münster ging 1908 erstmals in Betrieb und versorgt die Region Mittlerer Neckar zuverlässig mit Energie. Am Standort produzieren zwei Gasturbinenanlagen, drei steinkohlebetriebene Kessel und eine Abfallverbrennungsanlage Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Zusätzlich erzeugt eine Großwärmepumpe Fernwärme über dessen Kühlwasserablauf.
- Energieträger: Restmüll; Steinkohle, Heizöl und Erdgas, künftig Wasserstoff
- Werkleistung: 238 MW
- Fernwärmeleistung: 450 MW
Das Kraftwerk Marbach ging 1940 erstmals in Betrieb und gewährleistet als Reservekraftwerk bzw. als besonderes netztechnisches Betriebsmittel die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit in Süddeutschland. Am Standort produzieren die beiden Gasturbinen Marbach 3 und Marbach 4 im Bedarfsfall dringend benötigten Strom. Zudem befindet sich dort ein Tanklager für leichtes Heizöl, um die Anlagen jederzeit mit genügend Brennstoff zu versorgen.
- Energieträger: Heizöl
- Werkleistung: 395 MW
- Feuerungswärmeleistung: 1.254 MW
Als eines der modernsten Steinkohlekraftwerke der Bundesrepublik Deutschland verfügt Rostock mit einem Wirkungsgrad von 43,2% (bei voller Nutzung der Wärmeauskopplung 62%) derzeit über einen der höchsten unter den Steinkohlekraftwerken in Europa. Das Mittellastkraftwerk wurde 1994 in Betrieb genommen und war damit der erste Neubau dieser Art in den neuen Bundesländern. Eine Besonderheit des Kraftwerks Rostock ist der 141,5 Meter hohe Kühlturm, der auch als Schornstein dient.
- EnBW-Beteiligung am Kraftwerk: 50,38 %
- Energieträger: Steinkohle
- Werkleistung: 553 MW
- Fernwärmeleistung: 150 MW
Das Kraftwerk Walheim ging 1964 erstmals in Betrieb und ermöglicht künftig eine nachhaltige Verwertung von Klärschlamm aus Baden-Württemberg. Am Standort kommt bei Bedarfsspitzen im Stromnetz eine Gasturbine zum Einsatz, ein derzeit im Bau befindliches Klärschlammheizkraftwerk wird in Zukunft zudem Strom und Fernwärme als Nebenprodukt produzieren. Durch Auskopplung der Fernwärme können bis zu 300 Haushalte versorgt werden.
- Energieträger: Heizöl und ab 2028 Klärschlamm
- Werkleistung: 143 MW
Das Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe (RDK) ging 1955 erstmals in Betrieb. Am Standort produzieren eine Gas- und Dampfturbinenanlage und zwei steinkohlebetriebene Blöcke Strom und Fernwärme im Kraft-Wärme-Kopplungsmodus. Block 8, seit 2014 im Marktbetrieb, ist mit seinem Nettowirkungsgrad von 46 % einer der effizientesten Steinkohleblöcke weltweit. Am Standort wird derzeit ein Neubauprojekt für flexibel regelbare Kraftwerksleistung geprüft: Eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage könnte zunächst mit Erdgas betrieben und dann zu einem späteren Zeitpunkt auf Wasserstoff als Brennstoff umgestellt werden.
- Energieträger: Steinkohle und Erdgas, künftig auch Wasserstoff
- Werkleistung: 1.811 MW
- Fernwärmeleistung: 220 MW
Kraftwerke, die Sonne, Wind und Wasser nutzen
Der Anteil der erneuerbaren Energien an unserem Erzeugungsmix lag 2025 bei mehr als 65 Prozent0Quelle: Geschäftsbericht (GB) 2025, testiert – deutlich über dem deutschen Durchschnitt von rund 55,8 Prozent0Quelle: BDEW – und darauf sind wir stolz. Wir wollen diesen Anteil weiter steigern und investieren daher massiv in den Ausbau von Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft.
Der Betrieb mit Erdgas ist in unseren Kraftwerken nur eine Brückentechnologie. Das langfristige Ziel ist die vollständige Umstellung auf CO₂-ärmere Alternativen wie beispielsweise dekarbonisierter Wasserstoff, der mit Strom aus 100 % erneuerbaren Energien hergestellt wird. Vor der Umstellung müssen die Kraftwerke noch an das derzeit entstehende Wasserstoffkernnetz angeschlossen und umgerüstet werden. Bereit machen wir uns dafür schon heute.