Begrünte Dächer eignen sich auch gut für Solaranlagen, weil die Pflanzen die Umgebungstemperatur auf dem Dach senken. In Verbindung mit ihrer natürlichen Verdunstung bleibt ein Gründach im Sommer deutlich kühler als ein herkömmliches Dach. Dadurch können Solarmodule sogar effizienter arbeiten und mehr Strom erzeugen. Doch lohnt sich das Ganze insgesamt?
Was ist eine Dachbegrünung?
Eine Dachbegrünung – manchmal auch „Gründach“ genannt – bezeichnet einen mehrschichtigen Aufbau aus Abdichtung, Schutzschichten, Substrat und Pflanzen auf einem Dach. Sie kann am ehesten sowohl auf Flachdächern als auch auf leicht geneigten Dächern umgesetzt werden. Auch auf steileren Dächern ist eine Dachbegrünung grundsätzlich möglich, allerdings nur mit speziellen Sicherungssystemen, die ein Abrutschen des Substrats und der Pflanzen verhindern.
Die Dachbegrünung erfüllt dabei mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie schützt das Dach, verbessert die Wärmedämmung und wirkt sich positiv auf das Mikroklima rund ums Gebäude aus. So sorgen zum Beispiel die verschiedenen Schichten dafür, dass Regenwasser gespeichert und verzögert abgegeben wird, während die Pflanzen das Wasser wieder verdunsten. Dadurch entsteht ein natürlicher Kühlungseffekt, der sich vor allem im Sommer bemerkbar macht.

Eine Dachbegrünungen schützt das Dach, verbessert die Dämmung und wirkt sich positiv auf das Mikroklima rund ums Gebäude aus.
Auch energetisch hat eine Dachbegrünung positive Folgen. Das Substrat und die Vegetationsschicht wirken wie eine zusätzliche Dämmschicht: Im Winter entweicht weniger Wärme über das Dach, im Sommer heizt sich das Dach deutlich weniger auf. Studien der US-Umweltbehörde zeigen, dass begrünte Dächer an heißen Tagen um bis zu rund 30 °C kühler sein können als herkömmliche Dachflächen. Dadurch verringert sich auch die Aufheizung der Räume im obersten Stockwerk.
Neben der Energieeffizienz besitzt eine Dachbegrünung noch weitere praktische Vorteile: Die Dachabdichtung wird vor UV-Strahlung, Hagel und starken Temperaturschwankungen geschützt, was die Lebensdauer des Daches insgesamt verlängern kann. Gleichzeitig wird Regenwasser zurückgehalten, die Kanalisation entlastet und es entsteht zusätzlicher Lebensraum, nicht nur für Pflanzen, sondern auch für viele Insektenarten. Darüber hinaus ist ein begrüntes Dach auch visuell ansprechend und fügt sich stimmig in das Gartenbild ein.
Aufbau einer Dachbegrünung
Damit eine Dachbegrünung dauerhaft funktioniert, braucht es einen klar definierten Aufbau aus mehreren Schichten. Diese sorgen dafür, dass das Dach dicht bleibt, Pflanzen wachsen können und Regenwasser kontrolliert abgeleitet wird. Je nach System kann sich der Aufbau leicht unterscheiden, das Grundprinzip ist jedoch immer gleich.
Eine typische Dachbegrünung ist aus folgenden Schichten aufgebaut (von oben nach unten):
- Vegetationsschicht – Pflanzen wie Fetthenne, Gräser, Kräuter oder Stauden
- Substratschicht – spezielle Erde für Dachbegrünungen, speichert Wasser und Nährstoffe
- Filtervlies – verhindert, dass Substrat in die Drainage gespült wird
- Drainageschicht – leitet überschüssiges Wasser ab und speichert einen Teil davon
- Schutzvlies – schützt Abdichtung des Daches vor Druckbelastung und Abrieb
- Wurzelschutzfolie – verhindert, dass Pflanzenwurzeln die Dachabdichtung beschädigen
Extensive und intensive Dachbegrünung
Wenn von Dachbegrünung die Rede ist, sind meist zwei Varianten gemeint: die extensive und die intensive Dachbegrünung. Beide unterscheiden sich vor allem im Aufbau, im Gewicht, bei den Pflanzen und beim Pflegeaufwand. Welche Variante geeignet ist, hängt vor allem von der Statik des Daches, der Nutzung und den Kosten ab.
Extensive Dachbegrünung
Die extensive Dachbegrünung ist die am häufigsten umgesetzte Form – zum Beispiel auf Garagen, Carports oder Flachdächern von Wohnhäusern. Der Aufbau ist relativ dünn, meist mit einer Substratschicht von etwa 6 bis 15 cm. Dadurch bleibt das Gewicht vergleichsweise gering, was diese Variante auch für viele Bestandsgebäude interessant macht.
Typisch für extensive Begrünungen sind robuste, trockenheitsverträgliche Pflanzen, die mit wenig Pflege auskommen. In der Regel reicht es, das Dach ein- bis zweimal pro Jahr zu kontrollieren und unerwünschten Bewuchs zu entfernen. Eine Bewässerung ist meist nur in sehr trockenen Sommern notwendig.
Typische Pflanzen für eine extensive Dachbegrünung:
Pflanze |
Eigenschaften |
|---|---|
Fetthenne |
Sehr trockenheitsresistent, speichert Wasser |
Hauswurz |
Anspruchslos, winterhart |
Thymian |
Duftend, bienenfreundlich |
Moose |
Gute Flächenabdeckung |
Niedrige Gräser |
Robust und pflegeleicht |

Typisch für extensive Dachbegrünungen sind niedrigwachsende, robuste Pflanzen, die auch Trockenheit gut vertragen.
Intensive Dachbegrünung
Die intensive Dachbegrünung ist deutlich aufwendiger und ähnelt eher einem klassischen Garten oder einer bepflanzten Dachterrasse. Hier kommen höhere Substratschichten zum Einsatz – meist ab etwa 20 cm aufwärts. Dadurch können nicht nur Gräser und Stauden wachsen, sondern auch Sträucher oder kleine Bäume.
Allerdings bringt diese Form der Dachbegrünung deutlich mehr Gewicht mit sich und erfordert daher fast immer eine spezielle statische Planung. Außerdem ist der Pflegeaufwand höher: Bewässerung, Düngung und regelmäßiger Rückschnitt gehören hier dazu – ähnlich wie in einem normalen Garten.
Typische Pflanzen für eine intensive Dachbegrünung:
Pflanze |
Verwendung |
Rasen |
Begehbare Flächen |
Stauden |
Blühpflanzen, Gestaltung |
Lavendel |
Trockenheitsverträglich, bienenfreundlich |
Sträucher |
Struktur und Sichtschutz |
Kleine Bäume |
Bei ausreichender Substrathöhe |

Bei einer intensiven Dachbegrünung mit großen Pflanzen, Sträuchern oder gar Bäumen muss aufgrund des hohen Gewichts die Statik des Hauses passen.
Übersicht: Extensive vs. intensive Dachbegrünung
Merkmal |
Extensive Begrünung |
Intensive Begrünung |
Substrathöhe |
ca. 6–15 cm |
ab ca. 20 cm |
Gewicht |
ca. 60–150 kg/m² |
ca. 300–1.000 kg/m² |
Pflegeaufwand |
gering |
hoch |
Pflanzen |
Fetthenne, Moose, Kräuter |
Rasen, Stauden, Sträucher |
Nutzung |
meist nicht begehbar |
begehbar / Dachgarten |
Kosten |
ab ca. 30–70 €/m² |
ab ca. 80–200 €/m² |
Energie sparen mit einer Dachbegrünung
Eine Dachbegrünung wirkt wie eine zusätzliche Schutz- und Dämmschicht auf dem Gebäude. Der Effekt entsteht vor allem durch zwei Faktoren: zusätzliche Wärmedämmung im Winter und Verdunstungskühlung im Sommer. Dadurch kann sich der Energieverbrauch in beiden Jahreszeiten spürbar reduzieren.
Heizenergie sparen im Winter
Im Winter reduziert ein Gründach die Wärmeverluste über das Dach. Das liegt daran, dass Substrat und Pflanzen die Temperaturunterschiede zwischen Innenraum und Außenluft abpuffern. Messungen zeigen, dass ein Gründach mit etwa 15 cm Substrat die Wärmeverluste über das Dach deutlich reduzieren kann. In Extremfällen wurden Einsparungen von bis zu 40 % der Wärmeverluste über die Dachfläche gemessen.
In der Praxis bedeutet das für ein typisches Wohngebäude: Da Wärme nicht nur über das Dach, sondern auch über die Fassade, Fenster und Keller verloren geht, liegt die tatsächliche Einsparung beim Heizenergiebedarf meist bei bis zu 5 %. Das klingt zunächst wenig, ist aber langfristig durchaus relevant – vor allem bei steigenden Energiepreisen.
Kühlenergie sparen im Sommer
Deutlich größer ist der Effekt im Sommer. Herkömmliche Dächer (vor allem, wenn sie mit grauen Dachpfannen oder dunklen Bitumenbahnen versehen sind) können sich bei starker Sonneneinstrahlung auf 60 bis 80 °C aufheizen. Bei einem begrünten Dach bleibt die Temperatur durch Verdunstung und Verschattung deutlich niedriger.
Messungen zeigen: Bei einer Außentemperatur von etwa 30 °C wurden unter der Substratschicht Temperaturen von nur etwa 17 bis 18 °C gemessen. Dadurch heizen sich die Räume unter dem Dach deutlich weniger auf.
Studien gehen davon aus, dass sich die sommerliche Wärmelast durch eine Dachbegrünung um bis zu 60 % reduzieren kann. In Gebäuden mit wenig oder keiner Dachdämmung kann die Raumtemperatur im obersten Stockwerk im Sommer im Durchschnitt um 3 bis 4 °C niedriger liegen als unter einem herkömmlichen Dach.

Dachbegrünungen bieten viele energetische Vorteile: Im Winter wirken sie dem Wärmeverlust entgegen, im Sommer kühlen sie besser als herkömmliche Dächer.
Kosten für eine Dachbegrünung
Wie hoch die Kosten für eine Dachbegrünung sind, hängt vor allem davon ab, ob es sich um eine extensive oder intensive Begrünung handelt, wie groß die Fläche ist und ob das Dach bereits für die zusätzliche Last vorbereitet ist. Auch die Frage, ob Sie die Dachbegrünung selbst umsetzen oder ein Komplettpaket durch eine Fachfirma beauftragen, spielt eine Rolle.
Grundsätzlich ist die extensive Dachbegrünung deutlich günstiger und deshalb am weitesten bei Wohnhäusern, Garagen und Carports verbreitet.
Typische Kosten für eine Dachbegrünung im Überblick:
Art der Dachbegrünung |
Kosten pro m² |
Aufwand |
Extensive Begrünung |
ca. 30 – 70 € pro m² |
gering |
Intensive Begrünung |
ca. 80 – 200 € pro m² |
hoch |
Dachbegrünung Komplettpaket |
ca. 40 – 120 € pro m² |
mittel |
Zu den reinen Materialkosten können je nach Gebäude noch weitere Kosten hinzukommen, zum Beispiel für:
- Statikprüfung
- Dachabdichtung
- Schutzfolien und Drainagesysteme
- Arbeitskosten bei Fachbetrieben
- Bewässerungssystem (bei intensiver Begrünung)
Förderung für Dachbegrünung
Für eine Dachbegrünung gibt es meist keine direkten Zuschüsse im Rahmen einer klassischen energetischen Sanierung, wie sie zum Beispiel für Dämmung, Fenster oder Heizungen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gewährt werden. Eine Dachbegrünung gilt rechtlich in der Regel nicht als eigenständige energetische Sanierungsmaßnahme, auch wenn sie den Energieverbrauch eines Gebäudes reduzieren kann.
Trotzdem gibt es Fördermöglichkeiten: In vielen Städten und Gemeinden wird eine Dachbegrünung finanziell gefördert, weil sie Regenwasser zurückhält und das Stadtklima verbessert. Die Förderungen liegen je nach Kommune häufig zwischen 10 und 50 % der Kosten oder es gibt feste Zuschüsse pro Quadratmeter begrünter Fläche.
Dachbegrünung und Photovoltaik kombinieren
Eine Dachbegrünung lässt sich sehr gut mit einer Photovoltaikanlage kombinieren. Diese Kombination wird oft als Solargründach bezeichnet und bietet gleich mehrere Vorteile: Das Dach produziert Strom und verbessert gleichzeitig die Energieeffizienz des Gebäudes.
Der wichtigste Effekt entsteht durch die Kühlung der Solarmodule. Photovoltaikmodule arbeiten am effizientesten bei Temperaturen um 25 °C. Wird es heißer, sinkt der Wirkungsgrad. Auf einem herkömmlichen Dach kann sich die Umgebung der Module im Sommer stark aufheizen – auf einem begrünten Dach bleibt die Temperatur durch Verdunstung und Verschattung deutlich niedriger. Dadurch können Solaranlagen auf begrünten Dächern mehr Strom erzeugen.
Wichtig ist allerdings eine gute Planung: Die Solarmodule sollten mit ausreichend Abstand zur Dachfläche montiert werden, damit sich die Pflanzen darunter entwickeln können und keine Verschattung entsteht. In der Praxis werden dafür meist spezielle Montagesysteme verwendet.

Dachbegrünungen lassen sich hervorragend mit einer PV-Anlage kombinieren.
Dachbegrünung selber machen oder von Firma?
Wer eine Dachbegrünung plant, steht meist vor zwei Entscheidungen: Soll die Begrünung als Komplettpaket gekauft oder individuell zusammengestellt werden – und lässt sich die Dachbegrünung selber vornehmen oder sollte ein Fachbetrieb beauftragt werden?
Dachbegrünung als Komplett- oder Einzelsystem
Für viele Dächer werden Komplettpakete für die Dachbegrünung angeboten. Diese enthalten bereits alle notwendigen Schichten wie Schutzfolie, Drainage, Filtervlies, Substrat und Pflanzen – oft in Form von speziellen Matten. Die einzelnen Komponenten sind dabei aufeinander abgestimmt, was Planung und Einbau deutlich einfacher macht.
Alternativ können Sie alle Schichten einzeln kaufen und so den Aufbau Ihrer Dachbegrünung selbst zusammenstellen. Das kann etwas günstiger sein, erfordert aber mehr Planung, da Materialien, Aufbauhöhe und Entwässerung genau auf das Dach abgestimmt werden müssen.
Komplettpaket |
Einzelsystem |
|
|---|---|---|
Vorteile |
– alle Komponenten passen zusammen
– weniger Planungsaufwand – schneller Einbau – gut für Einsteiger geeignet |
– flexibel anpassbar
– oft günstiger bei großen Flächen – geeignet bei besonderen Dachformen |
Nachteile |
– meist höhere Kosten als Einzelkauf – weniger flexibel anpassbar – eingeschränkte Auswahl bei Materialien |
– höherer Planungsaufwand – Risiko von Fehlern beim Aufbau – Komponenten müssen selbst abgestimmt werden |
Für kleinere Flächen wie Garagen oder Carports greifen viele Hausbesitzer*innen daher zu Komplettpaketen, während bei großen Dächern häufig individuelle Lösungen geplant werden.
Dachbegrünung selbst anlegen oder vom Fachbetrieb
Ob Sie eine Dachbegrünung selber vornehmen können, hängt vor allem von der Dachgröße, der Statik und der Abdichtung ab. Eine extensive Dachbegrünung auf einem Gartenhaus, Carport oder einer Garage lässt sich mit einem Komplettpaket oft gut selbst verlegen.
Bei Wohnhäusern sieht es anders aus: Hier sollte in der Regel ein Fachbetrieb prüfen,
- ob die Dachabdichtung geeignet ist,
- ob die Statik ausreicht,
- und wie Entwässerung und Randabschlüsse umgesetzt werden müssen.
Eine intensive Dachbegrünung mit begehbarer Fläche, Bewässerung oder größeren Pflanzen sollte grundsätzlich von Fachleuten geplant und umgesetzt werden.
Wer unsicher ist, kann sich vorab beraten lassen. Denn wenn die Dachabdichtung beschädigt wird oder Staunässe entsteht, kann das später teuer werden. Mit einer fachgerecht geplanten Dachbegrünung lässt sich dagegen über viele Jahre Energie sparen und das Dach zusätzlich schützen.

Um kleinere Dächer zu begrünen, eignen sich Komplettpakete. Die Pflanzenmatten lassen sich meist auch einfach selbst verlegen.
Fazit: Wann sich eine Dachbegrünung lohnt
Eine Dachbegrünung wertet nicht nur die Optik Ihres Hauses auf. Sie schützt die Dachabdichtung, verbessert das Mikroklima und kann den Energieverbrauch eines Gebäudes senken – vor allem im Sommer, wenn sich Räume unter dem Dach weniger stark aufheizen.
Wer sein Dach ohnehin sanieren muss oder eine Photovoltaikanlage plant, sollte daher prüfen, ob sich eine Dachbegrünung gleich mit umsetzen lässt. Denn so wird aus einer einfachen Dachfläche eine zusätzliche Schutzschicht, ein kleiner Lebensraum für Pflanzen und Insekten – sowie ein Baustein für mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Haus.
