Elektro und Geländewagen – das passt heute besser zusammen, als viele denken. Zudem bieten einige Stromer technische Vorteile im Gelände. Immer mehr Hersteller bringen deshalb Elektroautos auf den Markt, die nicht nur auf der Straße, sondern auch abseits befestigter Wege unterwegs sein können. Aber sind sie wirklich offroad-tauglich?
Was einen echten Elektro-Geländewagen ausmacht
Nicht jeder hochgelegte Elektro-SUV ist automatisch ein echter Geländewagen. Viele Modelle sehen zwar robust aus, sind technisch aber vor allem für die Straße gebaut. Wenn Sie tatsächlich regelmäßig auf Schotterpisten und matschigen Waldwegen, auf unebenen Strecken oder im Gelände mit steilen Anstiegen unterwegs sind, kommt es auf ganz andere Dinge an als nur auf eine hohe Sitzposition.
Der wichtigste Unterschied liegt beim Antrieb. Ein echter Elektro-Geländewagen hat in der Regel Allradantrieb, der bei E-Autos meist über zwei bzw. vier Elektromotoren umgesetzt wird – jeweils einer pro Achse oder pro Rad. Der große Vorteil: Die Kraft lässt sich sehr fein zwischen Vorder- und Hinterachse verteilen. Auf rutschigem Untergrund wie Schlamm, Sand oder Schnee sorgt das für deutlich mehr Bodenhaftung („Traktion“) als bei Fahrzeugen mit reinem Front- oder Heckantrieb.
Daneben spielt auch die Bodenfreiheit eine entscheidende Rolle. Als Richtwert gelten etwa 20 Zentimeter oder mehr, damit Steine, Spurrillen oder unebene Wege nicht sofort zum Problem werden. Ebenfalls wichtig sind kurze Überhänge, gute Böschungswinkel, eine gewisse Wattiefe für Wasserdurchfahrten und ein geschützter Unterboden – gerade bei Elektroautos ist das unbedingt notwendig, weil hier die Batterie im Fahrzeugboden sitzt.
Typische Merkmale eines Elektro-Geländewagens:
Merkmal |
Warum wichtig |
Allradantrieb |
Mehr Traktion auf Schlamm, Schnee und losem Untergrund |
Bodenfreiheit |
Schutz vor Steinen, Spurrillen und Kanten |
Böschungswinkel |
Wichtig bei steilen Auffahrten und Kuppen |
Wattiefe |
Für Fahrten durch Wasser |
Unterbodenschutz |
Schützt die Batterie im Gelände |
Anhängelast |
Mind. 2.000 kg für den Transport von Pferdeanhängern, Wohnwagen, Bootstrailern, Baumaschinen, Holzladungen, etc. |
Aktuelle Elektro-Geländewagen in der Übersicht
Echte Elektro-Geländewagen sind noch selten, doch immer mehr Hersteller bringen Modelle mit klarer Offroad-Ausrichtung auf den Markt. Dazu zählen klassische Geländewagen mit Leiterrahmen ebenso wie luxuriöse Allrad-Stromer oder robuste Elektro-Pick-ups. Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Konzepte ausfallen können.
Mercedes G 580 mit EQ-Technik
Der Mercedes-Benz G 580 mit EQ Technologie (vormals EQG‑Konzept) ist die elektrische Version der legendären G-Klasse – und bleibt auch mit E-Antrieb ein wahrer Gelände-Profi. Anders als viele Elektro-SUVs setzt der G 580 weiterhin auf einen klassischen Leiterrahmen, eine besonders geschützte Batterie und echte Offroad-Technik. Damit ist er konsequent für den Einsatz abseits befestigter Straßen gebaut.
Für den Antrieb sorgen vier Elektromotoren, also je einer pro Rad. Zusammen leisten sie 432 kW (587 PS) und liefern 1.164 Nm Drehmoment, das sofort verfügbar ist. Die Batterie hat eine nutzbare Kapazität von 116 kWh. An Schnellladern lädt der G 580 mit bis zu 200 kW; die WLTP-Reichweite liegt bei 468 bis 479 Kilometer.
m Gelände überzeugt der G 580 voll: eine spezielle Getriebeuntersetzung (G‑Gänge bzw. Geländegang), einzeln ansteuerbare Motoren und große Bodenfreiheit sorgen für sehr viel Traktion, auch auf losem oder unebenem Untergrund. Die Anhängelast beträgt bis zu 3.500 Kilogramm – genug für große Trailer, Pferdetransporter oder schwere Arbeitsanhänger.
Preis: ab ca. 143.000 Euro

Der G 580 mit EQ Technologie ist der erste vollelektrische Offroader von Mercedes-Benz (Bild: © Mercedes-Benz).
Jeep Recon
Mit dem Jeep Recon hat der bekannte US-Hersteller erstmals einen konsequent auf Offroad-Einsätze ausgelegten batteriebetriebenen Geländewagen angekündigt. Der Recon wurde von Grund auf für schwieriges Gelände entwickelt und trägt das herstellereigene „Trail Rated“-Siegel: Es signalisiert, dass das Fahrzeug von Jeep selbst in fünf wichtigen Leistungskategorien strengen Tests unterzogen wurde: Traktion, Watfähigkeit, Manövrierfähigkeit, Achsverschränkung und Bodenfreiheit.
Für den Antrieb sorgen zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, die zusammen rund 478 kW (650 PS) und ein Drehmoment von etwa 840 Nm liefern. Damit beschleunigt der Recon in rund 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Energie kommt aus einer rund 100 kWh großen Batterie, die eine elektrische Reichweite von über 400 Kilometern ermöglichen soll. Zur Schnellladeleistung macht der Hersteller bisher keine Angaben, es ist jedoch von einem modernen 400-Volt-System auszugehen.
Im Gelände setzt der Recon auf klassische Jeep-Tugenden: rund 23 Zentimeter Bodenfreiheit, robuste Unterbodenschutzelemente, ein sperrbares Differenzial und spezielle Offroad-Modi inklusive Rock-Modus für anspruchsvolles Terrain. Besonders praktisch für Outdoor-Fans: Türen und Seitenscheiben lassen sich relativ einfach unterwegs entfernen. Der vollelektrische Recon wird seit Anfang 2026 produziert und startete zunächst nur in Nordamerika. In Deutschland soll der Verkauf voraussichtlich im vierten Quartal 2026 beginnen.
Preis: ab ca. 80.000 Euro

Einfach mal ohne Türen: Der Jeep Recon zeigt, dass ein Elektroauto auch im Gelände richtig Laune machen kann (Bild: © Stellantis).
Range Rover Electric
Mit dem Range Rover Electric entwickelt der britische Kult-Hersteller Land Rover sein bekanntestes Modell weiter zum vollelektrisches Luxus-Flaggschiff. Der Fokus liegt dabei klar auf der Kombination aus klassischem Range-Rover-Komfort und echten Offroad-Fähigkeiten. Optisch bleibt das Modell der bekannten Linie treu, technisch setzt es jedoch auf eine der modernsten Elektroplattformen der Branche.
Angetrieben wird der Stromer voraussichtlich von zwei Elektromotoren mit zusammen rund 410 kW (550 PS) und einem Drehmoment von bis zu 850 Nm. Die Energie liefert eine 117 kWh große Batterie, die eine Reichweite von rund 450 bis 480 Kilometern ermöglichen soll. Dank 800-Volt-Technologie sind Ladeleistungen von bis zu 350 kW realistisch möglich.
Auch im Gelände bleibt der Range Rover seiner Tradition treu: Mit bis zu 85 Zentimetern Wattiefe, hoher Bodenfreiheit und fein regelbarem Allradantrieb zählt er zu den leistungsfähigsten Elektro-Geländewagen. Gleichzeitig sorgen die Luftfederung und eine aufwendige Geräuschdämmung für hohen Fahrkomfort. Die Zulassung (Homologation) für den deutschen Markt steht noch aus, Interessierte können sich jedoch bereits auf eine Warteliste setzen lassen.
Preis: ab ca. 146.00 Euro

Der Range Rover Electric fühlt sich auch in anspruchsvollem Gelände wie hier im Wüstensand sichtbar wohl (Bild: © Land Rover).
Volvo EX60 Cross Country
Mit der Cross-Country-Version erweitert Volvo die EX60-Baureihe um eine sportlich-robustere Variante. Im Kern handelt es sich auch bei dieser Ausführung um einen klassischen Elektro-SUV, als Cross County wurde dieser aber gezielt für schlechte Straßen, Schotterwege und leichte Offroad-Einsätze aufgewertet.
Technisch gesehen basiert der EX60 auf der neuen SPA3-Plattform, bei der die Batterie als Teil der Fahrzeugstruktur integriert ist. In der Cross-Country-Version kommt ein elektrischer Allradantrieb mit bis zu 375 kW (510 PS) Leistung zum Einsatz. Je nach Batterie sind Reichweiten von bis zu rund 660 Kilometern möglich. Die 800-Volt-Technik ermöglicht zudem sehr hohe Ladeleistungen von bis zu 370 kW, wodurch sich der Akku in rund 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lässt.
Für den Einsatz abseits befestigter Straßen erhält die Cross-Country-Version eine serienmäßige Luftfederung, die die Bodenfreiheit erhöht und bei Bedarf weiter anheben kann. Ergänzt wird das durch einen Unterfahrschutz und weitere robuste Elemente. Damit ist der EX60 zwar kein „klassischer“ Elektro-Geländewagen, kommt auf schlechten Wegen und leicht schwierigem Terrain aber deutlich weiter als viele andere Elektro-SUVs.
Preis: ab ca. 69.000 Euro

Der Volvo EX60 Cross Country bleibt zwar im Kern ein komfortabler Elektro-SUV, ist auf Schotter und schlechten Wegen aber deutlich besser vorbereitet als die Standardversion (Bild: © Volvo).
Toyota Hilux Elektro
Seit Jahrzehnten steht der Hilux, der legendäre Pick-up von Toyota, für Robustheit und Zuverlässigkeit – auch die neue Elektroversion bleibt diesem Anspruch treu. Zwar richtet sich der Hilux wie seine Vorgänger hauptsächlich an Kund*innen aus Gewerbe und Handwerk. Aber auch alle, die ein Fahrzeug mit großer Ladefläche und Geländegängigkeit benötigen, könnten einen Blick auf den Elektro-Pickup werfen.
Optisch zeigt sich der Hilux moderner als bisher, mit markanter Front, schmalen Scheinwerfern und breitem Kühlergrill. Mit rund 5,32 Metern Länge bleibt er ein klassischer Vertreter seiner Klasse und wird in Europa ausschließlich als viertürige Doppelkabine angeboten. Der Innenraum erweist sich als deutlich moderner im Vergleich zu früheren Modellen, mit bis zu 12,3 Zoll großem Touchscreen, digitalem Cockpit und verbessertem Sitzkomfort.
Angetrieben wird der Pick-up von zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse, die zusammen 144 kW (196 PS) leisten. Die Energie liefert eine 59,2 kWh große Batterie, die eine Reichweite von bis zu 257 Kilometern nach WLTP ermöglicht. Innerorts sind laut Hersteller sogar bis zu 380 Kilometer möglich. An Schnellladesäulen lässt sich der Akku mit bis zu rund 150 kW laden.
Ebenso wie seine Vorgänger punktet auch der Elektro-Hilux mit einer top Offroad-Tauglichkeit, nicht zuletzt dank Leiterrahmen, rund 20 Zentimeter Bodenfreiheit und eine Wattiefe von bis zu 70 Zentimetern. Ein Multi-Terrain-Select-System passt die Kraftverteilung an unterschiedliche Untergründe an. Einschränkungen gibt es bei Nutz- und Anhängelast: Die Zuladung liegt bei rund 715 Kilogramm, die Anhängelast bei bis zu 1,6 Tonnen. Beim Diesel sind dagegen bis zu 1.000 Kilogramm Nutz- und 3,5 Tonnen Anhängelast möglich.
Preis: ab ca. 46.000 Euro

Der Hilux ist auch in der Elektroversion ein Arbeitstier, dem selbst sandige Untergründe nicht zu schaffen machen (Bild: © Toyota).
Die vorgestellten Elektro-Geländewagen im Vergleich
Die folgende Tabelle fasst nochmal die wichtigsten technischen Daten zusammen:
Modell |
Leistung |
Akku |
Reichweite (WLTP) |
Preis |
|---|---|---|---|---|
Mercedes G 580 EQ |
432 kW (587 PS) |
116 kWh |
468–479 km |
ab ca. 143.000 € |
Jeep Recon |
478 kW (650 PS) |
ca. 100 kWh |
> 400 km |
ab ca. 80.000 € |
Range Rover Electric |
410 kW (550 PS) |
117 kWh |
450–480 km |
ab ca. 146.000 € |
Volvo EX60 Cross Country |
375 kW (510 PS) |
ca. 95 kWh |
bis 660 km |
ab ca. 69.000 € |
Toyota Hilux Elektro |
144 kW (196 PS) |
59,2 kWh |
257 km |
ab ca. 46.000 € |
Fazit: Wann sich ein Elektro-Geländewagen lohnt
Die Auswahl an Elektro-Geländewagen ist derzeit noch überschaubar. Das liegt vor allem daran, dass solche Fahrzeuge technisch besonders aufwendig sind. Große Batterien, leistungsfähiger Allradantrieb, robuste Fahrwerke und hohe Anhängelasten treiben Gewicht, Kosten und Stromverbrauch nach oben. Viele Hersteller haben bislang zunächst eher reine Elektro-SUVs (für feste Straßen) priorisiert. Mittlerweile finden sich aber auch immer häufiger Modelle oder Varianten, die sich auch bei schwierigeren Untergründen gewähren.
Zum Gesamtbild gehört ebenfalls: Aktuell bzw. in den nächsten Monaten kommen vermehrt „echte“ Elektro-Geländewagen auf den Markt. Sie lohnen sich immer dann, wenn ein Fahrzeug regelmäßig abseits befestigter Straßen gefahren werden soll. Das kann in ländlichen Regionen der Fall sein, in den Bergen, auf Waldwegen oder auf Baustellen. Auch wer schwere Anhänger wie Pferdeanhänger, Wohnwagen, Boote oder Arbeitsanhänger zieht, profitiert von Allradantrieb, hoher Anhängelast und viel Traktion auf losem Untergrund.
Für den Alltag zeigt sich jedoch: ein echter Geländewagen wird selten gebraucht. Für schlechte Straßen, Feldwege oder den Weg zum Campingplatz reicht ein robuster Elektro-SUV in den meisten Fällen völlig aus.
