Zurück nach oben Schließen Hell Bild herunterladen Blättern zu [COUNT] Dunkel Weiterblättern Zurückblättern Nach links scrollen Nach rechts scrollen Sucheingabe zurücksetzen Suchen Teilen Börse aktuell geschlossen
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Fuel Switch bezeichnet die zweistufige Umstellung von Kohle über Erdgas hin zu Wasserstoff, um Kraftwerke klimafreundlicher zu machen.
  • Er ist notwendig, um trotz Kohleausstieg genügend regelbare Leistung für die Versorgungssicherheit bereitzuhalten.
  • Der Wechsel von Kohle zu Erdgas halbiert die CO₂‑Emissionen sofort, und Wasserstoff kann sie später nahezu vollständig vermeiden.
  • EnBW setzt den Fuel Switch an Standorten wie Stuttgart‑Münster, Altbach/Deizisau und Heilbronn bereits praktisch um.
  • Die vollständige Umstellung auf Wasserstoff wird ab Mitte der 2030er‑Jahre erwartet und hängt von Infrastruktur, verfügbarem Wasserstoff und Fördermechanismen ab.
Inhalt
Inhalt
Bild herunterladen

1. Was ist der Fuel Switch?

Der Fuel Switch meint konkret die sukzessive Umstellung von Kraftwerken auf klimafreundlichere Brennstoffe für die Strom- und Wärmeerzeugung. Er erfolgt bei bestehenden Kraftwerken in zwei Phasen, daher spricht man vom doppelten Fuel Switch. Zunächst steht der Wechsel von Kohle zu Erdgas an, später von Erdgas zu Wasserstoff.

Bild herunterladen

2. Warum ist der Fuel Switch wichtig?

Ja, Video anzeigen
YouTube-Video anzeigen?

Beim Anzeigen des Videos werden Daten an YouTube übertragen. Erst wenn Sie den Button anklicken, wird das YouTube-Video angezeigt. Bitte beachten Sie die Datenschutzhinweise von YouTube.

Deutschland soll bis spätestens 2038 kohlefrei sein. Dafür stieg der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung von sechs Prozent im Jahr 2000 auf rund 59 Prozent im Jahr 2025, während die Kohleverstromung immer weiter zurückgeht. Doch erneuerbare Energien stehen je nach Wetterlage nicht immer zur Verfügung. Und mit dem Kohleausstieg droht eine Lücke an regelbarer Kraftwerksleistung, die geschlossen werden muss, damit die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet bleibt.

Hier setzt der Fuel Switch an: Statt die Kohlekraftwerke stillzulegen, werden sie mit neuen Gas- und Dampfturbinenanlagen auf Gas umgerüstet, bleiben als Back-up erhalten und stellen weiterhin regelbare Leistung bereit. Sie lassen sich flexibel steuern und springen ein, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Strom liefern. Zudem sind Gaskraftwerke deutlich klimafreundlicher und können später auf Wasserstoff umgerüstet werden.

Ja, Video anzeigen
YouTube-Video anzeigen?

Beim Anzeigen des Videos werden Daten an YouTube übertragen. Erst wenn Sie den Button anklicken, wird das YouTube-Video angezeigt. Bitte beachten Sie die Datenschutzhinweise von YouTube.

3. Was bringt der Fuel Switch?

Bild herunterladen

Neben seiner zentralen Rolle für die Versorgungssicherheit reduziert der Fuel Switch die CO₂-Emissionen der Stromerzeugung erheblich. Mit einem CO₂-Ausstoß von 0,408 kg CO₂-Äquivalente pro Kilowattstunde sind die Emissionen von Erdgas geringer als von Braunkohle (1,073 kg CO₂-Äquivalente pro Kilowattstunde) oder Steinkohle (0,970 kg CO₂-Äquivalente pro Kilowattstunde). So sinkt der CO₂-Ausstoß in der ersten Phase des Fuel Switch unmittelbar um mehr als die Hälfte.

Bei der Umstellung auf Wasserstoff fallen die Emissionen dann noch einmal deutlich geringer aus. Wie stark sie im Vergleich zu fossilen Energieträgern sinken, hängt vor allem von der Herstellungsart ab: Wasserstoff aus erneuerbaren Energien (Elektrolyse mit Wind- oder Solarstrom) verursacht laut einer Studie des Umweltrats in der Herstellung praktisch keinen CO₂-Ausstoß. Auch bei der Verbrennung von Wasserstoff im Kraftwerk entstehen nahezu keine direkten CO₂-Emissionen – nur Wasserdampf wird freigesetzt. Zu berücksichtigen sind jedoch Vorkettenemissionen, zum Beispiel für den Transport des Energieträgers. Im Gegensatz dazu entstehen bei der Wasserstofferzeugung aus Erdgas circa 0,3 kg CO₂/kWh H₂, aus Erdöl circa 0,36 kg CO₂/kWh H₂ und aus Kohle sogar circa 0,57 kg CO₂/kWh H₂.

4. Wie läuft der Fuel Switch in den Kraftwerken ab?

Bild herunterladen
Bauingenieur Moritz Jaschke zum Bau des Schornsteins im EnBW FuelSwitch-Projekt in Heilbronn (Video: EnBW)

Phase 1: Vom Kohle- zum Erdgas-Kraftwerk (H₂-ready)

Aus einem Kohle- ein Gaskraftwerk zu machen, gleicht einer Kernsanierung. Denn Kohlekraftwerke nutzen Dampfkessel, in denen Kohle verbrannt wird, um Wasserdampf zu erzeugen. Moderne Gas- und Dampfturbinen-Anlagen (GuD) arbeiten nach einem anderen Prinzip: Erdgas wird in Gasturbinen verbrannt, die direkt Strom produzieren. Die dabei entstehende Abwärme wird genutzt, um Dampf zu erzeugen, der eine weitere Turbine antreibt. Beim Fuel Switch von Kohle zu Erdgas müssen daher die gesamten Verbrennungsanlagen ausgetauscht werden. Die Kohlekessel werden stillgelegt und durch neue Gasturbinen ersetzt. Das erfordert umfangreiche Baumaßnahmen.

Moderne Gasturbinen sind dabei von Anfang an „H₂-ready" – das heißt, sie sind so konstruiert, dass eine spätere Umrüstung auf Wasserstoff technisch und wirtschaftlich möglich ist. Dazu gehören beispielsweise angepasste Brennkammern/Brenner, austauschbare Brennerdüsen, geeignete Werkstoffe und Dichtungssysteme.

Bauingenieur Moritz Jaschke zum Bau des Schornsteins im EnBW FuelSwitch-Projekt in Heilbronn (Video: EnBW)
Bild herunterladen

Phase 2: Vom Erdgas- zum Wasserstoff-Kraftwerk

Auch wenn ein Kraftwerk H₂-ready gebaut wurde, sind für die vollständige Umstellung auf Wasserstoff weitere Veränderungen notwendig. Denn Wasserstoff unterscheidet sich grundlegend von Erdgas. So hat er unter anderem:

  • Kleinere Moleküle: Dichtungen und Rohrleitungen müssen angepasst werden, damit Wasserstoff nicht entweicht und Materialien je nach Legierung und Betriebszustand keine Versprödung zeigen.
  • Höhere Verbrennungsgeschwindigkeit und Flammtemperatur: Wasserstoff verbrennt schneller und heißer als Erdgas. Daher müssen Brenner und Brennkammern angepasst bzw. ausgetauscht werden.
  • Niedrigere volumetrische Energiedichte: Für die gleiche Leistung sind höhere Volumenströme und angepasste Förder- oder Aufbereitungssysteme erforderlich.

Moderne Gasturbinen ermöglichen eine schrittweise Umstellung: Zunächst läuft die Anlage mit reinem Erdgas, dann kann schrittweise Wasserstoff beigemischt werden (bis zu 75 Prozent) und schließlich ist eine vollständige Umstellung auf 100 Prozent Wasserstoff möglich.

Bild herunterladen

Nutzung bestehender Infrastruktur

Ein großer Teil der bestehenden Infrastruktur kann weiterhin genutzt werden. Dazu gehören Kühltürme, Anlagen zur Wasseraufbereitung, Transformatoren und der Netzanschluss. Das spart Ressourcen, Kosten und Zeit – und sorgt dafür, dass die Kraftwerksstandorte an wichtigen Knotenpunkten im Energiesystem erhalten bleiben.

Die Umrüstung bestehender Kraftwerke wird nicht ausreichen, um die künftig benötigte regelbare Kraftwerksleistung bereitzustellen. Daher sollen in Deutschland zusätzlich neue Gaskraftwerke gebaut werden, die von Anfang an auf eine spätere Umrüstung auf Wasserstoff ausgelegt sind. Im Rahmen ihrer Kraftwerksstrategie will die Bundesregierung im Sommer regelbare Kraftwerkskapazitäten mit einer Leistung von insgesamt zwölf Gigawatt ausschreiben.

5. Einblicke in die Praxis: Fuel-Switch-Projekte der EnBW

Die aktuellen Fuel Switch-Projekte der EnBW an drei Standorten in Baden-Württemberg gehören zu den ersten in Deutschland. Im April 2025 nahm das Unternehmen in Stuttgart-Münster offiziell ein Gasturbinen-Kraftwerk in Betrieb. Auf den Geländen weiterer ehemaliger Kohlekraftwerke entstehen derzeit H₂-ready Anlagen.

6. Was kostet der Fuel Switch?

Bild herunterladen

Die Umrüstung der Kraftwerke erfordert erhebliche Investitionen: Allein die EnBW investiert 1,6 Milliarden Euro in ihre drei Fuel-Switch-Projekte an den Standorten Stuttgart-Münster, Altbach/Deizisau und Heilbronn. Hinzu kommen Investitionen der Netzbetreiber in die Wasserstoffinfrastruktur (Kernnetz) sowie von Bund und Ländern in Elektrolysekapazitäten. Zudem sind politische Fördermechanismen erforderlich, um Planungssicherheit für die Betreiber zu schaffen.

7. Herausforderungen: Wovon hängt der Fuel Switch ab?

Bild herunterladen

Phase 1 – Umstellung auf Gas:

Der Wechsel von Kohle zu Gas erfordert weitreichende Anpassungen der Kraftwerksanlage. Gleichzeitig verschärft sich der globale Wettbewerb um Schlüsselkomponenten wie wasserstofffähige Turbinen – bei vielen parallelen Projekten drohen Engpässe bei Material und Fachkräften. Laut einer Prognos-Studie im Auftrag der DIHK werden allein für den Ausbau der Kernbranchen Solar, Wind und Wasserstoff bis 2030 mehr als eine halbe Million Fachkräfte benötigt. Hinzu kommt: Gaskraftwerke sollen als direkter Partner der Erneuerbaren Energien künftig vor allem als Backup dienen. Das macht einen wirtschaftlichen Betrieb nur im Rahmen von Förderungen möglich. Ein Kapazitätsmarkt, der gewährleistet, dass allein die Bereitstellung von Kraftwerkskapazitäten vergütet wird, soll voraussichtlich erst 2032 kommen.

Bild herunterladen

Phase 2 – Umstellung auf Wasserstoff:

Die EnBW-Tochter VNG investiert in den Bau des Wasserstoffkernnetzes. (Bild: VNG AG/Torsten Proß, Jeibmann Photografik)

Die zweite Phase hängt entscheidend von der Wasserstoffverfügbarkeit ab. Deutschland muss seine Elektrolysekapazitäten massiv ausbauen und gleichzeitig Importstrukturen etablieren, um ausreichend Wasserstoff aus erneuerbaren Energien bereitzustellen. Denn selbst bei ambitioniertem Ausbau wird Deutschland auch langfristig auf Importe angewiesen sein.

Ein deutschlandweites Wasserstoff-Kernnetz ist notwendig, um den Energieträger von den Erzeugungszentren und Importpunkten zu den Kraftwerken zu transportieren. Die Bundesnetzagentur genehmigte dafür im Oktober 2024 ein Kernnetz mit 9.040 Kilometern Länge, das bis 2032 fertiggestellt werden soll. Parallel dazu müssen große Stromleitungen wie Ultranet und SuedLink ausgebaut werden, um sowohl die Verbrauchszentren als auch Elektrolyseure für die Produktion von grünem Wasserstoff mit ausreichend Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen.

Die EnBW-Tochter VNG investiert in den Bau des Wasserstoffkernnetzes. (Bild: VNG AG/Torsten Proß, Jeibmann Photografik)

8. Wann wird der Fuel Switch abgeschlossen sein?

Bild herunterladen
Phasenweiser Umstieg: Zunächst erfolgt der Wechsel von Kohle zu Gas, das wiederum sukzessive durch Wasserstoff ersetzt wird. (Bild: EnBW)

Phase 1 des Fuel Switch – also die Umstellung von Kohle auf Erdgas – ist an verschiedenen EnBW-Standorten bereits im Gange und soll in den kommenden zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein.

Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wann ausreichend grüner Wasserstoff verfügbar sowie die Infrastruktur ausgebaut ist und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegeben sind.

Phasenweiser Umstieg: Zunächst erfolgt der Wechsel von Kohle zu Gas, das wiederum sukzessive durch Wasserstoff ersetzt wird. (Bild: EnBW)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Vielen Dank für Ihr Feedback!

Bitte wählen Sie einen oder mehrere Gründe aus, um uns mitzuteilen, was Sie an der Seite gestört hat.

Bitte nennen Sie uns mindestens einen Grund. Leider ist etwas schief gelaufen, bitte versuche Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.

Wir schätzen es sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns Ihre Gründe mitzuteilen.

Ihr Feedback hilft uns dabei, die Qualität unserer Inhalte kontinuierlich zu verbessern und besser auf die Bedürfnisse unserer Leser einzugehen.

Unser Redaktionsteam wird die genannten Punkte prüfen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

Antwort absenden
Vielen Dank für Ihr Feedback!
Vielen Dank für das positive Feedback!

Sie interessieren sich für aktuelle Themen aus der Energiewelt? Mit unserem monatlich erscheinenden Newsletter Energieimpulse bleiben Sie auf dem Laufenden.

Abschicken

Ja, die EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Durlacher Allee 93, 76131 Karlsruhe, darf mir zukünftig per E-Mail den Newsletter „Energieimpulse“ mit energiewirtschaftlichen aktuellen Themen zusenden und mein Öffnungs- und Klickverhalten in empfangenen E-Mails individuell auswerten. Die Erteilung der Einwilligung ist freiwillig und ich kann sie jederzeit über den Abmeldebutton im Newsletter oder per E-Mail an energieimpulse@enbw.com widerrufen, ohne dass die Rechtmäßigkeit der bisherigen Datenverarbeitung berührt wird.

Unsere Informationen zum Datenschutz sowie Hinweise zu Ihrem Widerspruchsrecht finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

E-Mail Leider ist etwas schief gelaufen, bitte versuche Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut. * Diese Angaben benötigen wir zur Bearbeitung Ihrer Anfrage. Bitte korrigieren Sie die E-Mail Adresse. Bitte geben Sie eine E-Mail Adresse an.
Vielen Dank für Ihre Anmeldung
Es fehlt nur noch ein kleiner Schritt.

Bitte prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie Ihre Anmeldung über den Link in der E-Mail.

Nein Ja
Bild herunterladen