Mit dem starken Wachstum des PV-Markts ist auch die Zahl der Installationsbetriebe gestiegen. Die Qualität der Ausführung kann dabei erheblich schwanken. Fachleute stellen bei der Prüfung neuer Anlagen regelmäßig Mängel fest – die Spanne reicht von fehlerhaften Befestigungen bis hin zu Problemen bei der elektrischen Installation.
Welche Bauteile gehören zu einer Photovoltaikanlage?
Wer an eine Photovoltaikanlage denkt, hat meist zuerst nur die Solarmodule vor Augen. Klar, sie sind auf dem Dach befestigt und prägen das Erscheinungsbild der Anlage. Für die Stromerzeugung und den Anschluss an das Hausnetz sind jedoch weitere Komponenten erforderlich. Insgesamt besteht eine vollständige PV-Anlage aus folgenden Bauteilen:
- Solarmodule zur Stromerzeugung
- Montagesystem mit Dachhaken, Schienen und Modulklemmen
- Gleichstromkabel und passende Steckverbinder
- Wechselrichter zur Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom
- Schutz- und Schalteinrichtungen, etwa ein Überspannungsschutz
- Anschluss an das Hausnetz
- Anschluss an eine Erdungsanlage
- ggf. Blitzschutzkomponenten
- ggf. mechanische Schutzkomponenten (z.B. Taubenabwehrsysteme) je nach Lage
- optionaler Stromzähler (je nach Messkonzept)
Je nach Anlagenkonzept kommen noch Batteriespeicher oder Wallbox hinzu, gegebenenfalls ergänzt durch ein Energiemanagementsystem. Wird ein Batteriespeicher verbaut, kommt zur Regelung noch ein sogenannter Energieflussrichtungssensor im Zählerschrank dazu, dieser wird von den Herstellern oft als „Smart Meter“ o.ä. bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem intelligenten Messsystem).
Je besser die einzelnen Bauteile aufeinander und auf das Gebäude abgestimmt sind, desto zuverlässiger kann die Anlage arbeiten. Die fachgerechte Installation beginnt deshalb lange vor der eigentlichen Montage – und zwar mit einer sorgfältigen Bestandsaufnahme und Planung.

Beim Aufbau zählt jeder Handgriff: Erst wenn Module, Schienen und Verkabelung fachgerecht installiert wurden, entsteht auf dem Dach eine verlässliche Stromquelle.
Fachgerechte Installation beginnt mit sorgfältiger Planung
Zu diesem Zweck sollte der Fachbetrieb die örtlichen Bedingungen erfassen. Dazu zählen Dachfläche und Dachzustand, Ausrichtung, Neigung, Verschattung und mögliche Kabelwege. Auch die regionalen Wind- und Schneelasten fließen in die Auslegung der Unterkonstruktion ein. Tipp: Unser Ratgeber „Lohnt sich eine Photovoltaikanlage?“ erklärt die weiteren Details.
Ein gutes Angebot beschreibt so konkret wie möglich die geplante Anlage. Es nennt die Leistung in Kilowatt-Peak, Hersteller und Typen von Modulen, Wechselrichter und Speicher sowie das vorgesehene Montagesystem. Leistungen für Arbeitssicherheit (z. B. Baugerüst), Netzanschluss, Anmeldung und Inbetriebnahme sollten ebenfalls einzeln aufgeführt sein.
Hilfreich sind ein Belegungsplan, eine Ertragsprognose und verständliche Garantieangaben. Bleiben zentrale Positionen hinter Begriffen wie „Komplettpaket“ verborgen, fragen Sie nach.
Tipp: Unser Ratgeber „PV-Anlage selbst installieren: Vorteile und Nachteile“ gibt einen Überblick, welche Arbeiten in Eigenleistung möglich sind und wo eine Elektrofachkraft übernehmen muss.
Welche Merkmale zeichnen eine korrekte Montage aus?
Viele Auffälligkeiten lassen sich erkennen, ohne das Dach zu betreten. Werfen Sie also zunächst vom Boden aus einen Blick aufs Dach. Die Module sollten ein gleichmäßiges Feld bilden und fest an den vorgesehenen Bereichen des Rahmens geklemmt sein. Die Spaltmaße zwischen den Modulen sollten gleich sein, die Module dürfen nur an den langen Seiten geklemmt sein (wegen der Längenausdehnung der Bauteile) und die Modulklemmen müssen fachgerecht mit einem Drehmomentschlüssel angezogen sein und es darf kein sichtbarer Spalt zwischen Modulklemme und Modulrahmen vorhanden sein.
Wie viele Dachhaken und Schienen erforderlich sind, muss der Fachbetrieb für das jeweilige Dach berechnen. Grundlage sind unter anderem der Dachaufbau, das verwendete Montagesystem sowie die Wind- und Schneelasten am Standort. Lassen Sie sich die Auslegung auf Nachfrage erläutern oder dokumentieren. Dachziegel, die bei der Montage zu Bruch gegangen sind, müssen ausgetauscht werden. Üblicherweise findet das erforderliche Ausklinken für die Dachhaken auf dem Dach statt. Achten Sie darauf, dass die abgeschlagenen oder abgeschnittenen Ziegelteile von der Steildachfläche entfernt und die Regenrinne vor Gerüstabbau gereinigt werden.
Achten Sie auch auf die Verkabelung. Leitungen dürfen weder lose herabhängen noch über scharfe Kanten verlaufen oder dauerhaft auf Dachziegeln aufliegen. Steckverbinder müssen befestigt und vor Verschmutzung sowie stehendem Wasser geschützt sein. Dachdurchführungen müssen fachgerecht abgedichtet und Dachziegel ohne auffällige Spalten wieder eingesetzt sein. Die Stringkabel sollten hierbei nicht ohne mechanischen Schutz zwischen Ziegeln durch die Dachhaut geführt werden.
Im Gebäude sollte die gleichstromseite Elektroinstallation ebenfalls ordentlich wirken. Wechselrichter und gegebenenfalls Speicher müssen gut erreichbar, ausreichend belüftet und eindeutig beschriftet sein. Der Wechselrichter wird meist in Brusthöhe aufgehängt, damit die Kabel in ergonomischer Arbeitshöhe von unten an dem Gerät angeschlossen werden können. Berücksichtigen Sie beim Montageort, dass von dem Wechselrichter je nach Leistung eine nennenswerte Abwärmeleistung und auch Schallemissionen ausgehen. Dies gilt grundsätzlich auch für Batteriespeicher. Werden die Gleichstromkabel über einen langen Weg von den Dachflächen zum Wechselrichter im Keller geführt, ist ab einer bestimmten Länge ein separater Überspannungsschutz erforderlich. Falls Sie unsicher sind, fragen Sie gezielt nach. Provisorische Leitungen, offene Gehäuse oder beschädigte Bauteile sind Gründe, den Fachbetrieb anzusprechen.
Auch bei der wechselstromseitigen Elektroinstallationen können Sie einfache Merkmale selbstständig als Laie überprüfen. Hierzu gehört die dreiphasige Absicherung der PV-Anlage mit korrekter Beschriftung in einem Verteilerfeld Ihres Zählerschranks. Ganz unten in Ihrem Zählerschrank, im sogenannten netzseitigen Anschlussraum, muss sich ein wechselstromseitiger Überspannungsschutz befinden. Sie erkennen das Bauteil an seiner Beschriftung und am Einbauort. Wenn es fehlen sollte, dann würden Sie auch hier nachfragen. Zwingend vorzulegen sind Messprotokolle der Erdungsanlage, die einen wesentlichen Teil der Anlagensicherheit darstellt.
Dennoch: Ob Unterkonstruktion und Elektroinstallation normgerecht ausgeführt wurden, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. Prüfen können Sie jedoch, ob die Anlage fachgerecht montiert wirkt, Kabel befestigt sind und keine sichtbaren Schäden an Dach oder Bauteilen vorliegen. Für die technische Bewertung sollten Sie sich die Auslegung des Montagesystems sowie die Mess- und Prüfprotokolle zeigen lassen. Achtung: Öffnen Sie keine elektrischen Gehäuse und steigen Sie nicht selbst aufs Dach.

Ein qualifizierter Fachbetrieb arbeitet präzise und kann seine fachliche Eignung mit passenden Nachweisen belegen.
Fachbetrieb erkennen: Welche Nachweise zählen wirklich?2
Für Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter dem Hausanschluss ist ein Unternehmen nötig, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Fragen Sie vor der Beauftragung, welcher Betrieb den Netzanschluss übernimmt und den Nachweis vorlegen kann. § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) erlaubt solche Arbeiten außer dem Netzbetreiber nur eingetragenen Installationsunternehmen.
Lassen Sie sich Referenzanlagen nennen, die in Dachform und Größe Ihrem Projekt ähneln. Seriöse Anbieter erklären, welcher Betrieb die Montage ausführt und wer den Netzanschluss übernimmt. TÜV-Zertifikate und Herstellerschulungen können zusätzliche Fachkenntnisse belegen. Für spezielle Montagesysteme weisen viele Betriebe außerdem produktspezifische Schulungen nach. Vorsicht ist angebracht, wenn beworbene Zertifikate weder genau benannt noch gezeigt werden.
Welche Unterlagen gehören zur Anlagenübergabe?
Nach der Inbetriebnahme sollte Ihnen der Fachbetrieb eine vollständige Anlagendokumentation übergeben. Dazu zählen Datenblätter und Garantiebedingungen der verbauten Komponenten, Modulbelegungs- und Stringplan (aus denen Position und elektrische Verschaltung der Solarmodule – die „Strings“ – hervorgehen), Anlagenschema sowie Bedienungsanleitungen für Wechselrichter, Speicher und Energiemanagementsystem.
Besonders wichtig sind die ausgefüllten Mess- und Prüfprotokolle. Sie halten fest, welche elektrischen Prüfungen durchgeführt wurden. Verfügte das Gebäude mit dem Netzanschluss bereits vor der Errichtung der PV-Anlage über eine normgerechte Erdungsanlage nach Stand der Technik dann muss diese dennoch überprüft werden. Sind die gemessenen Widerstandswerte ausreichend und die Anlage mechanisch in Ordnung, dann ist hier außer der Dokumentation nichts weiter erforderlich. Für das Netzanschlussverfahren sind vor allem ein gültiges Einheitenzertifikat und ein von einem geeigneten Elektrofachbetrieb ausgefülltes Inbetriebsetzungsprotokoll relevant. Das gültige Einheitenzertifikat hinterlegt der Wechselrichterhersteller in einer Datenbank und Ihr Fachbetrieb verweist bei der Anmeldung beim Netzbetreiber auf dieses Zertifikat.
Hinzu kommen Seriennummern, Zugangsdaten für das Monitoring sowie Informationen zu Netzbetreiber und Marktstammdatenregister.
Fehlende Unterlagen sollten Sie schriftlich nachfordern. Eine vollständige Dokumentation ist hilfreich, wenn später Schäden an der Anlage auftreten, Anpassungen durchgeführt werden sollen oder ein Garantiefall geprüft werden muss.
Tipp: Unser Ratgeber „PV-Anlage anmelden: So geht die Registrierung“ führt durch die wichtigsten Schritte.

Die elektrische Installation gehört in die Hände eines qualifizierten Fachbetriebs – nur so lassen sich sowohl die Sicherheit als auch ein normgerechter Anschluss gewährleisten.
Checkliste: Wie prüfe ich meine neue PV-Anlage?
Bei der Qualitätskontrolle der Anlage sind drei Zeitpunkte besonders wichtig: vor der Beauftragung, nach der Montage und bei der Übergabe.
Vor der Beauftragung
- Sind Komponenten, Leistungen und Kosten im Angebot einzeln aufgeführt?
- Gibt es passende Referenzen und feste Ansprechpartner*innen?
- Ist geklärt, welcher eingetragene Elektrofachbetrieb den Netzanschluss übernimmt?
Nach der Montage
- Wirken Module, Schienen und Kabelwege korrekt ausgeführt?
- Sind Dachziegel, Fassade und Technikraum sichtbar unbeschädigt?
- Sind Wechselrichter, Speicher, Schalter und Leitungen beschriftet?
Bei der Übergabe
- Liegen Prüfprotokolle, Pläne, Datenblätter und Garantiebedingungen vollständig vor?
- Haben Sie Zugang zum Anlagenmonitoring erhalten?
- Wurden Bedienung, Abschaltung und Verhalten bei Störungen erklärt?
Tipp: Halten Sie offene Punkte vor der Schlusszahlung schriftlich fest. So kann der Fachbetrieb vereinbarte Leistungen gezielt nachholen.
Was kann ich bei Mängeln oder Zweifeln tun?
Fotografieren Sie auffällige Stellen und notieren Sie, wann Sie diese entdeckt haben. Bei konkreten Mängeln fordern Sie eine technische Stellungnahme an und setzen eine angemessene Frist zur Nachbesserung.
Bleiben Zweifel an der elektrischen Sicherheit, beauftragen Sie einen unabhängigen, beim Netzbetreiber eingetragenen Elektrofachbetrieb. Bei Schäden an Dachziegeln, Abdichtungen oder Unterkonstruktion kann zusätzlich ein Dachdeckerbetrieb oder eine sachverständige Person helfen.
Fazit: So sichern Sie die Qualität Ihrer PV-Anlage
Ob eine PV-Anlage fachgerecht installiert wurde, zeigt sich am unmittelbarsten wohl in der Ausführung. Gleichwohl gibt es auch bei der Planung und der Dokumentation Hinweise, die Sie stutzig machen sollten. Prüfen Sie deshalb das Angebot und lassen Sie sich bei der Übergabe alle vereinbarten Unterlagen aushändigen. Sind Leistungen nachvollziehbar beschrieben und die erforderlichen Nachweise vollständig, haben Sie eine gute Grundlage, um die Qualität der Anlage einzuschätzen und offene Fragen rechtzeitig mit dem Fachbetrieb zu klären.
Bei erkennbaren Mängeln oder fehlenden Nachweisen sollten Sie nicht warten. Dokumentieren Sie die Auffälligkeiten und bitten Sie den Installationsbetrieb um eine technische Stellungnahme. Bleiben Zweifel, kann eine unabhängige Fachkraft die Anlage gezielt prüfen. Eine frühe Kontrolle ist wichtig, um technische Fehler zu erkennen, bevor sie später den Ertrag mindern oder aufwendige Reparaturen erforderlich machen und zusätzliche Kosten verursachen.
