Heizen im Altbau: Diese Möglichkeiten gibt’s

Heizen ist längst mehr als nur eine Komfortfrage: Steigende Energiepreise, Klimaziele und neue gesetzliche Vorgaben machen die Wahl der richtigen Heizungsanlage zu einer strategischen Entscheidung für Hausbesitzer*innen. Gerade wenn der Austausch einer bestehenden Öl- oder Gasheizung ansteht, wird die Wärmepumpe häufig als erste Wahl angesehen. Aber welche Möglichkeiten stehen in Altbauten generell zur Verfügung, um klimafreundlich zu heizen? Wir stellen verschiedene Optionen vor, die in Frage kommen können.

Mit einer klimafreundlichen Heizung kann man gleichzeitig etwas für die Umwelt und den eigenen Geldbeutel tun. Wenn man im Neubau ohne Gas und Öl heizen möchte, entscheiden sich die meisten Hauseigentümer*innen bereits für eine Wärmepumpe. Aber: Auch bei Heizungsmodernisierungen in Bestandsbauten ist die Technologie häufig eine gute und zuverlässige Lösung.



Was steht im Gebäudeenergiegesetz?

Eine Leitplanke bei der Wahl des passenden Heizsystems für Altbauten stellt das überarbeitete Gebäudeenergiegesetz (GEG) dar, besser bekannt als „Heizungsgesetz“. Das GEG gibt es zwar bereits seit 2020, allerdings wurde es mehrfach überarbeitet. Nach langen, zum Teil hitzigen Diskussionen wurden die aktuellen Änderungen im September 2023 vom Bundestag beschlossen, auch der Bundesrat stimmte zu. Damit trat die Novelle zum 1. Januar 2024 in Kraft. Zwei Punkte sind mit Blick auf klimafreundliches Heizen in Bestands- bzw. Altbauten von Bedeutung:

  • Das befürchtete Gasheizungsverbot kommt nicht. Für den Austausch und den Weiterbetrieb von fossilen Heizungen gelten in den kommenden 20 Jahren allerdings unterschiedliche Übergangsfristen und Vorgaben.
  • Neue Heizungen, die ausschließlich mit fossilen Energien betrieben werden, dürfen bald nicht mehr eingebaut werden. Ab dem 30. Juni 2026 greift das Verbot in Großstädten (mit mehr als 100.000 Einwohnern), ab dem 30. Juni 2028 in kleineren Kommunen (mit bis zu 100.000 Einwohnern). Zu diesem Zeitpunkt soll von allen Städten und Kommunen eine Wärmeplanung vorliegen, sodass das Gebäude möglicherweise ans Fernwärmenetz angeschlossen werden muss.

Klimafreundliche, neue Heizung für Altbau gesucht?

Das Heizen von Bestandsgebäuden stellt oft eine Herausforderung dar, insbesondere wenn man dabei eine effiziente, klimafreundliche Lösung wählen möchte. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man in Altbauten klimafreundlich heizen kann. Sie möchten Ihre Heizung im Altbau erneuern? Wir stellen Ihnen hier einige Alternativen zur Gas- und Ölheizung vor:

Gasheizung und Solarthermie

Eine Kombination aus Gasheizung und Solarthermie ist eine der gängigen Möglichkeiten für klimafreundliches Heizen. Diese Kombination ist nicht neu, vielmehr ist die Hybridheizung ein erprobter Klassiker. In der Zukunft könnten klimaneutrale Gase wie Wasserstoff oder Biomethan für Wärme sorgen.

Wärmepumpen

Wärmepumpen sind besonders effizient, wenn im Haus bereits niedrige Vorlauftemperaturen ausreichen, um die Räume warm zu halten. Sie gewinnen die Heizwärme zum großen Teil aus der Luft, der Erde oder dem Wasser. Der Einsatz einer Wärmepumpe im Altbau ist durchaus denkbar, und nicht immer ist auch eine große Anpassung notwendig. Es sollte jedoch vorab geklärt werden, ob die Bedingungen für eine Wärmepumpe grundsätzlich gegeben sind.

Brennstoffzellenheizung

Die Brennstoffzellenheizung erzeugt Strom und Wärme und produziert dabei keinen Feinstaub, insbesondere wenn sie Wasserstoff aus erneuerbaren Energieanlagen nutzt.

Moderne Brennstoffe

Es gibt auch die Möglichkeit, mit modernen, regenerativ hergestellten Brennstoffen wie Biogas, EE-Gas oder Bioflüssiggas zu heizen.

Fachwerkhaus an einem sonnigen Herbsttag.

Auch in Bestandsgebäuden und Altbauten kann man klimafreundlich heizen.

Vorteile beim Heizen ohne Gas und Öl im Altbau

Nach den Vorschriften des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) müssen Öl- und Gasheizkessel nach spätestens 30 Jahren ausgetauscht werden – sofern sie auf Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik basieren. Ausnahmen gibt es zwar, doch für die meisten Heizungen trifft diese Vorschrift zu. Hinzu kommt, dass alte Heizungen immer unzuverlässiger arbeiten. Ersatzteile für ältere Modelle werden ebenfalls knapper. Sie brauchen mehr Energie und verursachen zudem höhere Heizkosten. Mit dem Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung profitieren Sie auch von weiteren Vorteilen:

  • Einer der Hauptvorteile einer klimafreundlichen Heizung ist die signifikante Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Haushalte verursachen rund ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen. Durch den Einsatz klimafreundlicher Heizsysteme können diese Zahlen gesenkt werden.
  • Klimafreundliche Heizungen sind in der Regel effizienter als herkömmliche Systeme. Sie verbrauchen weniger Energie und können dadurch die Heizkosten erheblich senken.
  • Der Umstieg auf eine klimafreundliche Heizung wird oft durch staatliche Förderprogramme (wie BAFA und KfW) erleichtert. Diese können die anfänglichen Investitionskosten erheblich reduzieren und den Umstieg auf eine nachhaltigere Option finanziell attraktiver machen.
  • Moderne Heizsysteme bieten oft verbesserte Steuerungsoptionen, die es ermöglichen, die Temperatur genauer zu regulieren. Dies führt zu einem angenehmeren Raumklima und erhöht den Wohnkomfort.
  • In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, wertet der Einbau einer klimafreundlichen Heizung die Immobilie auf. Dies kann ein entscheidender Faktor beim späteren Verkauf sein.

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Welche Heizung ist für einen Altbau ohne Dämmung sinnvoll?

Altbauten mit schlechter oder unzureichender Wärmedämmung stellen besondere Herausforderungen an das Heizsystem, da viel Wärme durch Wände, Fenster und Dach verloren geht. In solchen Fällen sind Heizsysteme, die hohe Vorlauftemperaturen erreichen können und dennoch effizient arbeiten, besonders geeignet:

  • Pellet- und Holzheizungen sind grundsätzlich eine gute Wahl für schlecht gedämmte Altbauten, weil sie hohe Vorlauftemperaturen erreichen können. Da beim Verbrennen nur das CO2 freigesetzt wird, dass der Baum während seines Wachstums eingelagert hat, gelten sie als CO2-arm. Im Unterschied zu anderen Heizsystemen benötigen sie allerdings mehr Platz für die Lagerung des Brennmaterials und regelmäßige Wartung. Dank der „Technologieoffenheit“ im Rahmen der GEG-Novelle vom Herbst 2023 ist der Einbau neuer Pelletheizungen weiterhin erlaubt und wird auch staatlicherseits gefördert.
  • Moderne Gasheizungen mit Brennwerttechnik können auch in schlecht gedämmten Häusern effizient arbeiten. Sie nutzen einen Teil der Verdampfungswärme (die sogenannte „latente“ und „sensible“ Wärme) des im Abgas enthaltenden Wassers und können so einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent erreichen. Wenn sie mit erneuerbaren Gasen wie Biogas oder synthetischem Gas betrieben werden, können sie eine klimafreundliche Option sein.
  • Hybridheizungen kombinieren fossile und erneuerbare Energieträger, meist eine Gas- oder Ölheizung mit einer Solarthermie-Anlage oder gegebenenfalls einer Wärmepumpe. Primär zum Heizen wird die Solarenergie genutzt, idealerweise nimmt ein Pufferspeicher überschüssige Wärme auf und hält sie für die spätere Verwendung bereit. Erst wenn die solare Wärmeerzeugung nicht ausreicht, springt zusätzlich die Gasheizung (oder die Wärmepumpe) an. Erlaubt sind neue Hybridheizungen allerdings nur noch, wenn der Anteil der erneuerbaren Energie bei mindestens 65 Prozent liegt.

Beachten Sie, dass die Effizienz eines jeden Heizsystems durch energetische Sanierungsmaßnahmen verbessert werden kann. Daher sollte man auch die Möglichkeit einer nachträglichen Dämmung in Betracht ziehen, um den Energieverbrauch und die Heizkosten zu senken.

Handwerker reguliert eine klimafreundliche Heizung.

Welches Heizsystem beim Austausch in Frage kommt, sollte im Gespräch mit Fachleuten geklärt werden.

So können Sie Ihre alte Heizung im Altbau optimieren

Nein, es muss nicht immer gleich eine komplett neue Heizung im Altbau sein. Es gibt einige Stellschrauben, an denen Sie drehen können, um noch mehr aus Ihrer jetzigen Heizung herauszuholen. Denn eine veraltete Heiztechnik sowie eine unzureichende Dämmung lassen die Heizkosten schnell in die Höhe steigen. Doch mit ein paar Optimierungsmaßnahmen wird auch eine alte Heizung effizienter – und zwar ohne größere Änderungen an der Anlage oder am Gebäude:

  1. Heizung regelmäßig warten lassen: Auch ältere Heizungen können zuverlässig und effizient arbeiten, wenn sie regelmäßig von Fachleuten in Stand gehalten werden.
  2. Hydraulischer Abgleich: Bei diesem Vorgang wird die Heizung genau auf Ihre individuellen Wärmebedürfnisse eingestellt. Dieser Schritt ist besonders wichtig, wenn Sie die Dämmung gerade verbessert haben.
  3. Heizungsrohre dämmen: Gerade im Altbau verlaufen Heizungsrohre oft durch unbeheizte Räume. Das kann große Wärmeverluste mit sich bringen. Eine Dämmung der Rohre kann das deutlich verringern.
  4. Heizungspumpe überprüfen lassen: Die Pumpe fördert das warme Heizungswasser von der Heizung hin zum Heizkörper. Mit einem moderneren Modell können Sie im Vergleich zu älteren Versionen deutlich Stromkosten sparen.

Natürlich können Sie neben diesen kleinen Anpassungen auch Ihr Heizverhalten ändern. Dadurch senken Sie nicht nur die Heizkosten, sondern gewinnen auch an Komfort.

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5 Tipps zum richtigen Heizen im Altbau

Mit seinen großen Räumen und hohen Decken strahlt ein Altbau einen ganz besonderen Charme aus. Allerdings kann genau dieser Charme in der Heizsaison zur Herausforderung werden. Man benötigt mehr Energie, um die Räume zu erwärmen, ungedämmte Wände sind kühler und steigern das Schimmelrisiko, alte Fenster haben mit Zugluft zu kämpfen.

Mit diesen Tipps heizen Sie im Altbau richtig, steigern den Komfort und senken Ihre Heizkosten:

  1. Im Altbau dauert es länger, bis sich die hohen Räume erwärmt haben. Heizen Sie also ohne größere Unterbrechungen und drehen Sie das Heizungsthermostat nicht immer auf und ab. Auch intelligente Thermostate können hierbei hilfreich sein. Vermeiden Sie langes Kipplüften, um das Auskühlen des Raums zu verhindern.
  2. Für verschiedene Räume werden unterschiedliche Temperaturen empfohlen: Wohnräume sollten eine Temperatur von etwa 20 °C haben, während Schlafzimmer auch mit rund 18 °C auskommen. Bäder sollten eine Wohnfühltemperatur von rund 22 °C haben. Wichtig ist, dass Sie die Türen schließen und dadurch verschiedene Klimazonen schaffen.
  3. Die Temperatur in Ihrer Altbauwohnung sollte 16 °C nicht unterschreiten. Wenn sich feuchte Luft an kalten Oberflächen absetzt, entsteht schnell Schimmel. Denn warme Luft hält in der Regel mehr Feuchtigkeit und erschwert somit die Kondensation. Regelmäßiges Quer- oder Stoßlüften hilft ebenfalls, um die Luftfeuchtigkeit zu verringern. Drehen Sie die Heizung vorher unbedingt runter. Ein Hygrometer hilft zusätzlich, das Raumklima zu verbessern. Möbel sollten außerdem nicht direkt an den Wänden stehen, um eine gute Luftzirkulation zu ermöglichen.
  4. Warme Luft steigt nach oben: Ein Deckenventilator kann helfen die Wärme, die sich unter der Decke staut, besser im Raum zu verteilen. Dadurch fühlt es sich wärmer an und die Temperatur kann heruntergedreht werden. Ein Pluspunkt für den Sommer: Durch die Bewegung der Luft kann sie sich kühler auf der Haut anfühlen.
  5. Dichten Sie Zugluftquellen gut ab, beispielsweise undichte Fenster und Türen. Wärmeverluste lassen sich außerdem mit Rollläden und Vorhängen minimieren, da sie eine zusätzliche Isolierschicht vor dem Fenster bilden.

Weitere Tipps zum richtigen Heizen und Lüften im Winter finden Sie in unserem Ratgeber.

Fazit: Beim neuen Heizsystem Grundstandard an Nachhaltigkeit sichern

Wer als Besitzer*in eines Altbaus über die Anschaffung einer neuen und klimafreundlichen Heizung nachdenkt, sollte einen Grundstandard an Nachhaltigkeit gewährleisten – etwa durch eine Kombination aus Gasheizung und Solarthermie.

Um den ökologischen Fußabdruck weiter zu minimieren, empfehlen wir eine umfassende Beratung. Dabei sollten Sie Fragen zur Eignung verschiedener Heizsysteme für Ihr Gebäude, zur Einbindung erneuerbarer Energien und zu verfügbaren Fördermitteln klären. Wenden Sie sich für solche Fragen an ausgebildete Energieberater*innen. Kleiner Tipp: In Altbauten erweisen sich Hybridheizsysteme oft als besonders flexibel und effizient.

Frau läuft barfüßig über den Boden.

Der Einbau einer neuen Heizung ist in der Regel mit einem Komfortgewinn verbunden.

Klimaschonend - sparsam!

Natürlich heizen mit einer Wärmepumpe.