Wer ein neues E-Auto sucht, schaut oft zuerst auf den Preis. Doch gerade bei Elektroautos sagt der allein wenig darüber aus, wie gut das Fahrzeug zu den eigenen Anforderungen passt. Erst ein Blick auf die wichtigsten Kennzahlen zeigt, wie effizient ein Modell wirklich fährt, wie schnell es lädt und wie zuverlässig es den Alltag meistert.
Reichweite: Wie weit kommt ein E-Auto im Alltag?
Die Reichweite gehört zu den wichtigsten Kennzahlen beim Vergleich von Elektroautos. Sie gibt an, wie viele Kilometer ein Fahrzeug mit einer Akkuladung zurücklegen kann. Hersteller nennen dafür meist den sogenannten WLTP-Wert, der unter genormten Bedingungen ermittelt wird.
Im Alltag liegen die realen Werte meist 15 bis 30 Prozent unter diesem Wert. Gründe dafür sind unter anderem höhere Geschwindigkeiten, schwankende Außentemperaturen, die Nutzung von Heizung oder Klimaanlage sowie das individuelle Fahrverhalten. Im Winter kann die Reichweite je nach Modell sogar um bis zu 35 Prozent sinken.
Ein sinnvoller Vergleich berücksichtigt deshalb nicht nur die maximale Reichweite auf dem Papier, sondern auch die typischen Reichweiten nach Fahrzeugklasse. Kompakte Elektroautos kommen im Alltag häufig auf 300 bis 400 Kilometer, Mittelklassemodelle auf 400 bis 500 Kilometer. Große Limousinen oder besonders effiziente Modelle können auch darüber liegen, benötigen dafür aber meist auch größere Akkus.
Wichtig ist außerdem der Zusammenhang zwischen Reichweite und Nutzung: Für den täglichen Pendelweg oder kürzere Strecken reicht oft schon eine mittlere Reichweite völlig aus. Wer regelmäßig längere Strecken fährt, profitiert dagegen von sehr hohen Reichweiten.
Akkukapazität: Wie viel Energie steht tatsächlich zur Verfügung?
Die Kapazität eines E-Auto-Akkus wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben und beschreibt, wie viel Energie ein Elektroauto speichern kann. Je größer der Wert, desto mehr Strom steht grundsätzlich für die Fahrt zur Verfügung. Für einen fairen Vergleich ist jedoch entscheidend, welcher Teil dieser Energie tatsächlich verfügbar ist.
Viele Hersteller wie BMW, Mercedes oder Tesla unterscheiden zwischen Brutto- und Nettokapazität. Die Bruttokapazität beschreibt den gesamten Energieinhalt des Akkus, die Nettokapazität den Teil, den das Fahrzeug im Alltag tatsächlich nutzt. Ein kleiner Puffer schützt den Akku und verlängert seine Lebensdauer. In der Praxis liegt die nutzbare Kapazität meist 5 bis 15 Prozent unter dem Bruttowert.
Beim Vergleich verschiedener Modelle lohnt sich daher immer ein Blick auf die Nettoangabe. Typische Werte liegen heute:
- bei Elektro-Kleinwagen zwischen 30 und 50 kWh (z. B. BYD Dolphin Surf, Citroën ë-C3, Dacia Spring)
- bei kompakten Elektroautos zwischen 50 und 70 kWh (z. B. VW ID.3, Hyundai Kona Elektro, Renault Mégane E-Tech)
- in der Mittelklasse zwischen 70 und 90 kWh (z. B. Tesla Model 3 Long Range, Hyundai Ioniq 6, BMW i4),
- bei Elektro-SUVs und Oberklassemodellen bei 90 kWh und mehr (z. B. BMW iX, Mercedes EQE SUV, Lucid Air).

Die Größe der Batterie entscheidet im Wesentlichen darüber, wie weit ein Elektroauto fährt.
Verbrauch: Wie effizient fährt ein Elektroauto?
Der Stromverbrauch ist ebenfalls eine der wichtigsten Kennzahlen beim Vergleich von Elektroautos. Er wird in Kilowattstunden pro 100 Kilometer (kWh/100 km) angegeben und zeigt, wie viel Energie ein Fahrzeug für eine bestimmte Strecke benötigt. Je niedriger der Wert, desto effizienter fährt das E-Auto – und desto weiter kommt es mit einer Akkuladung.
Im Alltag liegen die Verbrauchswerte je nach Fahrzeugklasse deutlich auseinander. Kompakte Elektroautos kommen häufig mit 14 bis 17 kWh/100 km aus. Mittelklassemodelle bewegen sich meist zwischen 16 und 20 kWh/100 km, während große SUVs oder Vans oft über 22 kWh/100 km benötigen. Ursache sind vor allem Gewicht, Fahrzeughöhe und Aerodynamik.
Der Verbrauch wirkt sich direkt auf zwei Dinge aus: die Reichweite und die Stromkosten. Ein effizientes Elektroauto mit kleinerem Akku kann im Alltag weiter fahren als ein schweres Modell mit großer Batterie. Gleichzeitig sinken die Kosten pro Kilometer – ein Vorteil, der sich über viele Jahre deutlich bemerkbar macht.
Ebenfalls wichtig für den Verbrauch und damit auch für die Effizienz eines E-Autos ist die sogenannte Rekuperation. Durch diese gewinnt das E-Auto beim Bremsen oder Ausrollen Energie zurück und speist sie in den Akku ein. Das verbessert den Verbrauch vor allem im Stadtverkehr, wenn häufig gebremst und wieder angefahren wird.

Das etwas langsamere Laden, z. B. an der heimischen Wallbox, ist kein Problem, wenn das E-Auto sowieso längere Zeit steht (Bildquelle: EnBW).
Ladezeit: Wie schnell ist ein E-Auto wieder startklar?
Die Ladezeit entscheidet darüber, wie gut sich ein Elektroauto im Alltag und auf längeren Strecken nutzen lässt. Für den Vergleich verschiedener Modelle hat sich ein Wert besonders etabliert: die Zeit von 10 auf 80 Prozent Ladezustand. In diesem Bereich laden die meisten Fahrzeuge am schnellsten, weshalb er als realistische Vergleichsgröße gilt.
Moderne Elektroautos benötigen für diesen Ladevorgang an einer Schnellladesäule meist zwischen 15 und 35 Minuten. Möglich wird das durch hohe Ladeleistungen, die heute je nach Modell etwa 100 bis über 250 Kilowatt erreichen. Vor allem Modelle mit 800-Volt-Architektur – etwa von Hyundai, Porsche oder Audi – können dabei mit Spitzenwerten punkten. Wichtig dabei: Eine hohe Ladeleistung allein garantiert noch keine kurze Ladezeit.
Entscheidend ist die Ladekurve, sprich: wie lange ein Fahrzeug diese Leistung halten kann. Einige Modelle laden sehr kurz extrem schnell und drosseln dann früh, andere bleiben über einen längeren Zeitraum konstant. Deshalb sagt die angegebene Spitzenleistung in Kilowatt weniger aus als die tatsächlich benötigten Minuten für den Ladevorgang.
Neben dem Schnellladen zum Beispiel auf Reisen spielt auch das Normalladen eine Rolle. Die meisten kompakten Elektroautos sind heute mit einem 11-Kilowatt-Ladegerät für die heimische Wallbox ausgestattet. Bedeutet: Um einen mittelgroßen Akku von 60 kW von 10 auf 80 Prozent zu laden, benötigt man etwa 4 bis 4,5 Stunden. Manche Kleinwagen sind allerdings auf 7,4 Kilowatt begrenzt, dann dauert das Laden länger. In der Mittel- und Oberklasse sind inzwischen häufiger 22 Kilowatt optional oder sogar schon serienmäßig verfügbar.
Wenn Sie mehr über die verschiedenen Formen des Ladens wissen wollen: Hier erklären wir den Unterschied zwischen AC- und DC-Laden genauer.
Leistung: Wie viel Power braucht man wirklich?
Die Leistung eines Elektroautos wird in Kilowatt (kW) angegeben und beschreibt, wie viel Antriebskraft der Motor maximal bereitstellen kann (auch die bislang übliche Angabe in PS wird noch häufig verwendet). Im Alltag spielt dieser Wert aber eine kleinere Rolle als viele erwarten.
Für die meisten Situationen reichen bereits 100 bis 150 kW vollkommen aus. Elektroautos stellen ihr Drehmoment sofort zur Verfügung, wodurch auch Modelle mit moderater Leistung zügig beschleunigen und souverän im Verkehr mitschwimmen. Höhere Leistungswerte sind vor allem für sportliches Fahren oder sehr kurze Beschleunigungszeiten relevant.
In der Praxis gilt: Mehr Leistung bedeutet nicht automatisch mehr Verbrauch oder weniger Reichweite. Entscheidend ist, wie die Leistung abgerufen wird. Bei gleichmäßiger Fahrt auf Landstraße oder Autobahn unterscheiden sich leistungsstarke und schwächere Modelle im Verbrauch oft kaum.
Für den Vergleich hilft daher eine einfache Einordnung:
- bis etwa 100 Kilowatt – ausreichend, wenn Sie das E-Auto vor allem im Stadtverkehr oder für tägliche Pendelstrecken nutzen.
- 100 bis 150 Kilowatt – eine ausgewogene Leistung, wenn Sie im Alltag komfortabel unterwegs sein möchten und auch längere Strecken fahren.
- über 150 Kilowatt – sinnvoll, wenn Sie Wert auf sehr schnelle Beschleunigung und ein besonders dynamisches Fahrgefühl legen.
Neben der reinen Leistungsangabe spielt auch der eingesetzte Elektromotor-Typ eine Rolle. Viele Hersteller wie Volkswagen setzen auf besonders effiziente Permanentmagnetmotoren, andere auf magnetfreie oder kombinierte Motorenkonzepte. Welche Unterschiede es gibt und warum sie für Effizienz und Fahrgefühl relevant sind, erfahren Sie im Detail im Beitrag „Elektroantrieb: Aufbau und Funktionsweise einfach erklärt“.
Garantie: Wie lange sind Batterie und Fahrzeug abgesichert?
Besonders wichtig ist die Batteriegarantie. Bei den meisten Herstellern liegt sie heute bei 8 Jahren oder 160.000 Kilometern, je nachdem, was zuerst eintritt. Zusätzlich wird meist zugesichert, dass die Batterie in diesem Zeitraum noch mindestens 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität behält. Fällt der Wert darunter, greift die Garantie.
Einige Hersteller gehen darüber hinaus. Tesla bietet beim Model 3 und Model Y je nach Variante ebenfalls 8 Jahre Garantie, erhöht die Laufleistung bei den Long-Range- und Performance-Versionen jedoch auf bis zu 240.000 Kilometer bei gleicher Mindestkapazität. Mercedes-Benz gewährt bei einzelnen Modellen wie dem EQS sogar bis zu 10 Jahre oder 250.000 Kilometer. Besonders weit reicht die Garantie beim Lexus RZ 450e: Hier werden 10 Jahre und bis zu 1.000.000 Kilometer bei 70 Prozent Mindestkapazität zugesichert – aktuell eine der großzügigsten Regelungen am Markt.
Wichtig ist dabei auch der Blick ins Kleingedruckte. Häufige Ausschlüsse betreffen eine unsachgemäße Nutzung, etwa dauerhaftes Laden auf 100 Prozent entgegen Herstellerempfehlungen, extrem häufiges Schnellladen oder das Nichteinhalten von Wartungsvorgaben. Auch Eingriffe in die Batterie können Garantieansprüche ausschließen.
Daneben gibt es die Fahrzeuggarantie, die je nach Autobauer unterschiedlich ausfällt. Üblich sind 2 bis 5 Jahre, teilweise auch mit Kilometerbegrenzung. Einige Hersteller bieten bewusst längere Garantien an, um das Vertrauen in die Technik und die Qualität der Komponenten zu erhöhen.
Platzangebot: Wie alltagstauglich ist das E-Auto?
Das Platzangebot lässt sich beim Vergleich von Elektroautos gut über eine klare Kennzahl erfassen: das Kofferraumvolumen in Litern. So wird schnell deutlich, wie viel Gepäck oder Einkäufe wirklich unterkommen, unabhängig vom ersten Eindruck der Fahrzeuggröße.
Kompakte Elektroautos bieten heute meist 300 bis 400 Liter Kofferraumvolumen. In der Mittelklasse sind 400 bis 500 Liter üblich, größere SUVs oder Kombi-Modelle kommen häufig auf über 500 Liter. Mit umgeklappter Rückbank steht oft deutlich mehr Stauraum zur Verfügung – praktisch etwa für Familien, größere Einkäufe oder längere Reisen.
Beim Vergleich lohnt sich ein genauer Blick auf die Angaben. Manche Hersteller nennen das Volumen bis zur Fensterkante, andere bis unter das Dach. Auch zusätzliche Staufächer – etwa unter dem Ladeboden oder ein sogenannter Frunk unter der Motorhaube – können den potenziell vorhandenen Stauraum erhöhen, tauchen aber nicht immer in der offiziellen Literangabe auf.
Wichtig ist zudem die Nutzbarkeit des Raums. Eine niedrige Ladekante, eine große Hecköffnung oder ein ebener Ladeboden machen sich im Alltag oft deutlicher bemerkbar als ein paar Liter mehr oder weniger auf dem Datenblatt.

Die Angabe zum Kofferraumvolumen zeigt, wie viel Gepäck oder Einkäufe tatsächlich Platz finden – unabhängig davon, wie groß ein Auto auf den ersten Blick wirkt.
Fazit: Welche Kennzahlen helfen beim E-Auto-Vergleich wirklich weiter?
Ein guter Vergleich von Elektroautos muss nicht kompliziert sein. Wer sich auf wenige, gut verständliche Kennzahlen konzentriert, erhält schnell ein realistisches Bild. Angaben zur Reichweite, Akkukapazität, Verbrauch und Ladezeit zeigen, wie effizient ein Fahrzeug im Alltag unterwegs ist. Der Leistungswert hilft bei der Einordnung des Fahrgefühls, während Garantie und Platzangebot wichtige Hinweise auf Langzeittauglichkeit und praktischen Nutzen geben.
Entscheidend ist, diese Zahlen mit den eigenen Anforderungen abzugleichen. Für den täglichen Arbeitsweg reichen beispielsweise oft moderate Reichweiten und Leistungen aus, während auf Langstrecken kurze Ladezeiten und ein niedriger Verbrauch wichtiger werden.
So entsteht Schritt für Schritt ein realistisches Bild: Anhand weniger Kennzahlen erkennen Sie, welches Elektroauto zu Ihrem Alltag passt. Wenn Sie sich konkret über den Kaufprozess informieren möchten, finden Sie weitere Informationen im Ratgeber „E-Auto kaufen: Darauf sollten Sie achten“.

