Elektroauto gebraucht kaufen: Darauf solltest du achten

Ein neues Elektroauto ist dir zu teuer? Probiere es doch mit einer günstigen Alternative: einem Gebrauchten. Während das Angebot an Modellen wächst, sinken die Preise. Ebenfalls vorteilhaft: eine längere Lebensdauer und ein geringerer Verschleiß als bei herkömmlichen Verbrennern. Wir haben für dich zusammengefasst, worauf du beim Kauf eines gebrauchten E-Autos achten solltest.

In den vergangenen Jahren sind die Zulassungszahlen von E-Autos gestiegen, auch aufgrund der staatlichen Förderungen. Trotzdem schrecken noch viele, die mit einem Elektroauto liebäugeln, angesichts der Neuwagenpreise vor einem Kauf zurück. Einen brandneuen Opel Corsa-e gibt es ab etwa 30.000 Euro (ohne Umweltbonus), Nissan bietet die nächste Generation des Erfolgsmodells Leafs ab rund 45.000 Euro an und der Elektro-SUV Audi e-tron wird ab 70.000 Euro verkauft. Wer sich dagegen auf dem Markt für gebrauchte E-Autos umsieht, kann beim Kauf mitunter viel Geld sparen. Und so findet man einen vier Jahre alten VW e-Golf für 17.000 Euro, einen zwei Jahre alten Smart mit E-Antrieb für 12.000 Euro oder einen fünf Jahre alten Renault ZOE für 8.000 Euro. Die Preise für gebrauchte Elektroautos sind mittlerweile konkurrenzfähig und durchaus mit denen herkömmlicher Verbrenner vergleichbar.


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Reichweite von gebrauchten E-Autos besser als ihr Ruf

Wie beim Preis sind auch in puncto Reichweite gebrauchte Elektroautos besser als ihr Ruf. Lange Zeit galten E-Autos als reine Stadtautos mit nur geringen Langstrecken-Qualitäten. Das mag für die allerersten Stromer zwar zutreffen, in den vergangenen Jahren kamen aber immer mehr Modelle auf den Markt, die auch längere Abschnitte ohne Zwischenstopp an einer Ladesäule bewältigen können. Spitzenreiter mit über 600 Kilometern Reichweite (Herstellerangabe) ist das Model S von Tesla. Der Jaguar i-Pace kommt auf etwa 480 Kilometer, während kompaktere E-Autos wie der Kia e-Soul oder der Hyundai Kona Elektro auf rund 450 Kilometer kommen.

Für die meisten Interessierten sind diese Werte tatsächlich nur bedingt wichtig. Denn oftmals kommt es weniger auf die maximale Reichweite, sondern mehr auf Alltagstauglichkeit an. Sprich: Wenn du mit deinem E-Auto vor allem zur Arbeit und zurück fahren willst, wenn du die Kinder zur Kita oder den Wochenend-Einkauf bequem nach Hause bringen willst, sind Reichweiten von 200 bis 300 Kilometer in der Regel schon völlig ausreichend. Und in diesem Feld tummeln sich viele Modelle, die du mittlerweile auch gut als gebrauchte Elektroautos kaufen kannst:

  • Renault ZOE: 400 Kilometer Reichweite (Herstellerangabe)
  • Peugeot e-208: 340 Kilometer Reichweite
  • Skoda CITIGOe iV: 258 Kilometer Reichweite
  • VW e-Golf: 233 Kilometer Reichweite

Mit einer kurzen Internet-Recherche kannst du schnell herausfinden, wie weit dein Wunsch-Stromer auch in der Realität kommt.

Gebrauchtes E-Auto kaufen: Hauptaugenmerk auf den Akku legen

Wenn du ein gebrauchtes Elektroauto kaufst, gelten dieselben Regeln wie beim Kauf jedes anderen Gebrauchtwagens: Eine gründliche Besichtigung des Fahrzeugs ist Pflicht. Neben der allgemeinen Verfassung des Autos (Funktionstüchtigkeit, Abnutzung, Rost etc.) solltest du dein Hauptaugenmerk auf den Akku legen. Natürlich ist es für Laien schwierig, den technischen Zustand des Akkus genau zu erkennen. Bei Wartungs- und Servicearbeiten wird die Stromer-Batterie aber von der Werkstatt auch immer genau unter die Lupe genommen. Der Check umfasst zum einen den allgemeinen „Gesundheitszustand“ und die aktuelle Ladekapazität, zum anderen Pole, Anschlüsse und Kabelverbindungen. Lass dir daher immer alle Prüfprotokolle aushändigen.

E-Auto Akku

Beim Kauf eines gebrauchten E-Autos solltest du auch den Akku unter die Lupe nehmen.

Grundsätzlich gilt: Die Akkus halten normalerweise länger, als von Kritikern erwartet. Experten schätzen, dass moderne Lithium-Ionen-Akkus auf bis zu 3.000 Ladezyklen kommen. Das entspricht einer Lebensdauer von rund 15 Jahren. Es stimmt zwar, dass die Stromer-Batterien keinen Ladestress mögen. Aber bei neueren Modellen sorgt schon das interne Batteriemanagementsystem dafür, dass das Laden möglichst schonend erfolgt. Viele Besitzer laden ihr E-Auto sowieso überwiegend zuhause an einer Wallbox auf, was den Batterien ebenfalls guttut. Dadurch nimmt die Kapazität viel langsamer ab als oft befürchtet. Selbst nach mehr als 200.000 Kilometern haben die meisten Akkus noch 80 bis 90 Prozent der ursprünglichen Kapazität. Zudem geben die Hersteller eine Garantie von fünf bis acht Jahren auf die Akkus bzw. auf eine Laufleistung von 100.000 bis 150.000 Kilometern. Fällt die Ladekapazität innerhalb der Frist zum Beispiel unter 70 Prozent, tauscht der Hersteller den Akku kostenlos aus. Frage daher den Verkäufer, ob und wie lange der Garantiezeitraum noch gilt.

Für den Gesamteindruck ist auch eine Probefahrt unverzichtbar, am besten auf einer Strecke, die du auch in deinem Alltag fahren würdest. Fahre zudem so, wie du es normalerweise tust. Beim Start solltest du den Bordcomputer auf null stellen bzw. dir die Restreichweite und den Ladestand der Batterie notieren. Nach Fahrtende vergleichst du die Werte mit denen vom Beginn. Das ist wichtig, um realistische Daten für die Reichweite zu bekommen. Hast du zum Beispiel nach 60 Kilometern Probefahrt bereits die halbe Akkuladung in Anspruch genommen, wird das E-Auto später auf kaum mehr als 120 Kilometer Gesamtreichweite kommen.

Markenwerkstätten können mithilfe eines Datenauslesegerätes den Zustand des Akkus genau überprüfen. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, solltest du vor der Probefahrt einen Termin in einer Werkstatt vereinbaren und dort ein Batterietestprotokoll anfertigen lassen.

Mann kontrolliert Batterie eines E-Autos.

Ein gründlicher Check ist beim Gebrauchtwagenkauf oberste Pflicht – auch beim E-Auto.

Gebrauchte Elektroautos weniger anfällig für Verschleiß

Generell ist bei gebrauchten Stromern Verschleiß kein großes Thema. Zum einen sind E-Motoren einfacher aufgebaut und daher weniger anfällig für Abnutzung als Verbrenner. Zudem ist die Laufleistung mindestens genauso gut wie die von Diesel- oder Benzin-Motoren. Auch nach rund 200.000 Kilometern funktionieren Elektromotoren in der Regel tadellos, zumal die meisten E-Auto-Besitzer eher umsichtig mit dem Fahrzeug umgehen und tendenziell vorsichtig fahren. Zum anderen fehlen bei E-Autos typische Verschleißteile wie Auspuff, Zahnriemen oder Zündkerzen. Merke: Was nicht eingebaut wurde, kann auch nicht kaputtgehen.

Auf einen wichtigen Punkt solltest du achten: Manchmal sind die Bremsen von Rost betroffen, was die Bremsleistung beeinträchtigt. Der Grund für die Rostbildung liegt im „One-Pedal-Driving-Modus“, den viele Stromer-Fahrer praktizieren. Dabei wird das E-Auto nur mit dem Gaspedal beschleunigt und abgebremst. Beim Verzögern drosselt der E-Motor die Geschwindigkeit, die dabei gewonnene Energie fließt zurück in den Akku. Im Fachjargon nennt man dies Rekuperation. Was für die Energiebilanz gut ist, erweist sich für die Bremsen manchmal als Problem. Schau dir daher die Bremsscheiben genau an. Findest du viel Oberflächenrost, hat der Vorbesitzer das Bremspedal höchstens in kritischen Verkehrssituationen benutzt.

An dieser Stelle können wir auch noch mit einem Mythos aufräumen: Reifen von E-Autos sind nicht stärker von Verschleiß betroffen als die Reifen von Verbrennern. Das Gerücht geht auf das vermeintlich hohe Drehmoment beim Anfahren zurück. Dem ist aber nicht so, sagen Reifenexperten. „Reifen eines modernen Elektrofahrzeugs nutzen sich wesentlich langsamer ab als bei einem Fahrzeug mit traditionellem Verbrennungsmotor“, so Mikko Liukkula, Entwicklungsmanager des finnischen Premium-Reifenherstellers Nokian Tyres. „Das liegt in der guten Traktionskontrolle begründet. Die Fahrassistenzsysteme reduzieren Schlupf dank der schnellen Leistungsanpassung des Elektromotors. Diese Systematik reagiert viel schneller als bei Verbrennern, bei denen sie auf dem Bremsvorgang und dem Begrenzen der Motorendrehzahl basiert.“

Trotzdem solltest du dir die Reifen des Elektroautos gründlich ansehen: Gibt es Schnitte, Risse oder Löcher? Ein schlechtes Zeichen ist auch, wenn sie einseitig abgefahren sind. Obwohl das gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofil bei 1,6 Millimetern liegt, sollte die Profiltiefe nicht weniger als 3 Millimeter betragen – ansonsten müsstest du dir wahrscheinlich alsbald neue (und damit teure) Reifen für das gebrauchte E-Auto kaufen.

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Tipps: Welche Elektroautos gebraucht kaufen?

Da der Markt für gebrauchte E-Autos noch übersichtlich ist, sind spezielle Modelle und besondere Ausstattungen eher schwer zu finden. Laut einer Erhebung des ADAC gehören folgende Modelle zu den wichtigsten E-Autos, die du bereits jetzt gebraucht kaufen kannst:

  • BMW i3
  • Citroën C-Zero / Mitsubishi i-MiEV (EV) / Peugeot iOn (alle baugleich)
  • Hyundai Ioniq Electro
  • Nissan Leaf (1. & 2. Generation)
  • Renault ZOE
  • Smart electric drive (fortwo/forfour)
  • Tesla Model S
  • Tesla Model X
  • VW e-Golf
  • VW e-Up!

Es wird immer leichter, ein gebrauchtes E-Auto zu finden und zu kaufen

Einen gut erhaltenen Stromer aus zweiter Hand zu finden, ist heute kein Hexenwerk mehr. Solange die Akkus gut in Schuss sind, kannst du beim Kauf des gebrauchten E-Autos nur wenig falsch machen. In puncto Verschleiß und Reparaturanfälligkeit haben die Stromer sogar einen sichtbaren Vorteil gegenüber Verbrennern, zumal die meisten angebotenen Fahrzeuge jünger als fünf Jahre sind. Auch hinsichtlich der strittigen Themen Ladekapazität und Reichweite musst du dir bei jüngeren Gebrauchten keine Sorgen machen. Und schließlich: Dass der Markt für gebrauchte Stromer im Moment so überschaubar ist, ist eine vorübergehende Herausforderung. Mit dem kontinuierlichen Anstieg der Zulassungszahlen und der aktuellen Modelloffensive der Hersteller sollten in den nächsten Monaten viele neue E-Autos auf den Gebrauchtwagenmarkt kommen.

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