Aktuell lässt sich beobachten, dass – nach langer Anlaufzeit – Bewegung in den Gebrauchtwagenmarkt kommt. Steigende Nachfrage, kürzere Standzeiten und transparentere Infos über Batterien machen gebrauchte Stromer zunehmend interessant. Dabei bleibt für Verkäufer*innen der Wertverlust ein wichtiges Thema. Für Käufer*innen eröffnet dieser auch neue Chancen.
Aktuelle Zahlen: So zeigt sich der Wertverlust von E-Autos
Der Wertverlust beim E-Auto ist aktuell höher als bei vergleichbaren Verbrennern. Das zeigen mehrere Marktanalysen. Laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) liegt der durchschnittliche Händlerverkaufspreis eines drei Jahre alten E-Autos aktuell bei rund 51,5 % des ursprünglichen Listenneupreises (Stand: März 2026) – gerechnet mit einer jährlichen Laufleistung von 20.000 Kilometern. Die Schere zwischen Verbrennern und E-Autos geht aber weiter auseinander: Benziner kommen nach drei Jahren auf etwa 64 % ihres Neupreises, gebrauchte dreijährige Diesel erzielen immerhin 62,7 %.
Besonders anschaulich wird der Unterschied in einer aktuellen Auswertung der Gebrauchtwagenplattform Carvago. Dafür wurden zehn E-Auto-Verbrenner-Paare verglichen – also Modelle, die sich in Größe, Segment und Einsatzbereich ähneln. Grundlage waren die Anschaffungspreise von Ende 2022 und aktuelle Medianpreise (mittlere Preise) für dreijährige Gebrauchte im vierten Quartal 2025.
Elektroauto |
Wertverlust nach 3 Jahren |
Vergleichbarer Verbrenner |
Wertverlust nach 3 Jahren |
Differenz (Prozentpunkte) |
|---|---|---|---|---|
Hyundai Kona Electric |
52,3 % |
Hyundai Kona |
25,3 % |
26,4 |
Audi Q8 e-tron |
50,7 % |
Audi Q8 |
26,7 % |
24,0 |
Citroën ë-Berlingo |
57,9 % |
Citroën Berlingo |
35,1 % |
22,8 |
Mercedes EQE |
69,7 % |
Mercedes E-Klasse |
49,3 % |
20,4 |
Škoda Enyaq |
51,7 % |
Škoda Kodiaq |
33,0 % |
18,7 |
Peugeot e-208 |
53,6 % |
Peugeot 208 |
34,9 % |
18,7 |
VW ID.4 |
46,1 % |
VW Tiguan |
34,5 % |
11,6 |
VW ID.3 |
51,2 % |
VW Golf |
41,3 % |
9,9 |
Porsche Taycan |
56,6 % |
Porsche Panamera |
48,6 % |
8,0 |
BMW iX3 |
46,1 % |
BMW X3 |
41,5 % |
4,6 |
Die Tabelle zeigt: E-Autos verlieren nach drei Jahren derzeit häufig mehr Wert als vergleichbare Verbrenner. Gleichzeitig fällt der Wertverlust je nach Stromer-Modell sehr unterschiedlich aus. Beim Mercedes EQE ist der Rückgang besonders hoch, beim BMW iX3 lag der Abstand zum vergleichbaren BMW X3 in der Carvago-Analyse dagegen nur bei 4,6 Prozentpunkten.
Wer den E-Auto-Wertverlust pro Jahr berechnen möchte, sollte allerdings vorsichtig sein. Aus dem DAT-Restwert von 51,5 % nach drei Jahren ergibt sich rein rechnerisch ein durchschnittlicher Wertverlust von rund 16 bis 17 Prozentpunkten pro Jahr. Tatsächlich verläuft die Kurve aber selten linear: Der stärkste Rückgang entsteht meist in den ersten ein bis zwei Jahren – vor allem dann, wenn Neuwagenpreise sinken, höhere Rabatte locken oder neue Modellgenerationen auf den Markt kommen. Danach flacht der Wertverlust in der Regel ab, der Restwert stabilisiert sich langsam.
Akku, Reichweite, Ladeleistung: Was den Restwert beeinflusst
Warum fällt der Wertverlust bei gebrauchten E-Autos derzeit höher als bei Verbrennern aus? Ein wichtiger Grund ist das Tempo der technischen Entwicklung. Die Elektromobilität macht in kurzen Abständen große Schritte: Neue Modelle bieten oft eine größere Reichweite, laden schneller, verbrauchen weniger Strom und erhalten bessere Software. Ein E-Auto aus dem Jahr 2022 wirkt deshalb heute – technisch gesehen – schnell älter als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel – obwohl beide Varianten im Alltag gleichermaßen zuverlässig unterwegs sind.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Akku. Er ist das teuerste Bauteil im E-Auto und beeinflusst den Restwert entsprechend stark. Käufer*innen interessieren sich deshalb nicht nur für Kilometerstand und Pflegezustand, sondern auch für die nutzbare Batteriekapazität. Dabei geht es um den sogenannten State of Health, kurz SoH. Er zeigt, wie viel Kapazität der Akku im Vergleich zum Neuzustand noch hat.
Auch Reichweite und Ladeleistung spielen eine große Rolle. Viele aktuelle Modelle kommen weiter als ihre Vorgänger und laden an Schnellladesäulen mit höherer Leistung. Das macht neue E-Autos attraktiver – und setzt ältere Modelle preislich unter Druck. Zumal Gebrauchtwagenkäufer*innen zunehmend darauf schauen, wie alltagstauglich ein Stromer heute noch ist: Genügt die Reichweite auch im Winter? Wie oft muss ich im Urlaub zum Laden anhalten? Oder: Verfügt das E-Auto über eine Wärmepumpe, die den Stromverbrauch senkt?
Nicht zu unterschätzende Faktoren sind aber auch Neuwagenpreise und Förderungen. Wenn Hersteller neue E-Autos besonders günstig anbieten oder die Politik mithilfe der E-Auto-Prämie Kaufanreize setzt, verändert das auch den Gebrauchtwagenmarkt. Denn junge Gebrauchte müssen dann genügend Preisabstand zum Neuwagen haben, damit sie für Käufer*innen interessant bleiben. Gleichzeitig kann dies mittelfristig auch den Gebrauchtmarkt beleben, weil mehr Fahrzeuge in den Markt kommen und später als junge Gebrauchte verfügbar sind.

Beim Mercedes EQE ist der Wertverlust innerhalb der ersten drei Jahre besonders hoch – Gebrauchtwagenkäufer*innen können sich freuen.
Gebrauchte E-Autos: Warum jetzt mehr Schwung in den Markt kommt
Für Besitzer*innen ist ein hoher Wertverlust ärgerlich. Für Käufer*innen von Gebrauchtwagen kann er dagegen eine Chance sein. Denn viele gebrauchte E-Autos sind relativ jung, gut ausgestattet und haben vergleichsweise niedrige Laufleistungen. Wer nicht zwingend ein Neufahrzeug braucht, findet inzwischen deutlich mehr Auswahl als noch vor wenigen Jahren.
Aktuelle Marktdaten zeigen, dass nicht nur der Neuwagenmarkt in Bewegung ist. Laut AutoScout24 verdoppelte sich der Anteil der Kaufanfragen für gebrauchte E-Autos zwischen Jahresbeginn und April 2026 von 3,8 auf 8 Prozent. Gleichzeitig verkürzten sich die durchschnittlichen Standtage von 59 auf 53 Tage. Gebrauchte Stromer bleiben also nicht mehr so lange inseriert wie zuvor.
Auch im Handel zeigt sich eine Stabilisierung. Die B2B-Auktionsplattform Caronsale hat ermittelt, dass reine Elektroautos im Januar im Durchschnitt 84 Prozent der von Händler*innen festgelegten Wunschpreise erzielten. Im April waren es bereits 91 Prozent. Das bedeutet: Die Lücke zwischen Preisvorstellung und tatsächlichem Verkaufspreis wird kleiner.
Trotzdem ist nicht damit zu rechnen, dass die Restwerte kurzfristig stark steigen. Expert*innen gehen eher von einer Stabilisierung aus. Der Grund: Die Nachfrage wächst zwar, gleichzeitig kommen durch steigende Neuzulassungen mehr E-Autos in den Markt. Außerdem sorgt der technische Fortschritt weiter dafür, dass ältere Modelle preislich attraktiv bleiben müssen.
Für Käufer*innen ist das eine interessante Marktphase. Auf der einen Seite gibt es mehr Nachfrage und damit mehr Vertrauen in gebrauchte E-Autos. Auf der anderen Seite sind die Preise – besonders bei jungen Gebrauchten aus Leasingrückläufen oder Flottenbeständen – oft deutlich unter dem Neuwagenniveau.
Batteriecheck und SoH: Mehr Sicherheit beim Gebrauchtkauf
Wer ein gebrauchtes E-Auto kaufen möchte, schaut nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Laufleistung und Ausstattung. Mindestens genauso wichtig ist aber der Zustand der Batterie. Denn der Akku entscheidet wesentlich darüber, wie viel Reichweite später noch drin ist.
Der wichtigste Kennwert beim Batteriecheck ist der bereits oben genannte State of Health, kurz SoH. Er beschreibt den Gesundheitszustand der Batterie im Verhältnis zum Neuzustand. Ein SoH von 90 Prozent bedeutet zum Beispiel: Der Akku kann noch rund 90 Prozent seiner ursprünglichen nutzbaren Kapazität speichern. Sinkt der Wert, sinkt meist auch die realistische Reichweite.
Ganz ohne Kapazitätsverlust geht es nicht. Lithium-Ionen-Akkus altern mit der Zeit – wie stark, ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie Laufleistung, Ladeverhalten, Temperatur und Nutzung. LFP-Akkus sind im Vergleich in der Herstellung günstiger als herkömmliche Batterien, gelten zugleich aber auch als etwas robuster. Feststoffbatterien könnten künftig weitere Fortschritte bei Lebensdauer, Energiedichte und Ladeleistung bringen.
Für Käufer*innen wird der Kauf deutlich entspannter, wenn ein offizielles Batteriezertifikat vorliegt. Dies zeigt, ob der Akku zum Alter und Kilometerstand des Fahrzeugs passt. Professionelle Händler*innen können ein solches Zertifikat häufig bereitstellen. Auch private Verkäufer*innen können den Test inzwischen bei spezialisierten Anbietern durchführen lassen.
Auch der Gesetzgeber will für mehr Transparenz sorgen: So wird ab dem 18. Februar 2027 der digitale EU-Batteriepass für neu in der EU in Verkehr gebrachte Traktionsbatterien zur Pflicht. Er soll unter anderem technische Daten rund um die Batterie, Informationen zu Herkunft, CO2-Fußabdruck und Recyclingfähigkeit bündeln. Für den Gebrauchtmarkt kann das ein Vorteil sein, weil durch den Batteriepass der Zustand des Akkus stärker nachvollziehbar wird.

Der Zustand des Akkus entscheidet wesentlich über den Restwert eines gebrauchten E-Autos – ein Batteriecheck sorgt hier für mehr Klarheit.
Fazit: Wertverlust bei E-Autos als Zeichen eines dynamischen Markts
Der Wertverlust beim E-Auto fällt aktuell oft höher aus als bei vergleichbaren Verbrennern. Das zeigen Restwertanalysen von DAT, Carvago und weiteren Marktbeobachter*innen. Entscheidend ist aber die Einordnung: Die Zahlen spiegeln nicht nur den Zustand einzelner Fahrzeuge wider, sondern auch einen jungen, sehr dynamischen Markt.
Neue E-Autos wurden in den vergangenen Jahren günstiger, Reichweiten und Ladeleistungen haben sich verbessert, und Batteriechecks sorgen für mehr Transparenz. Dadurch geraten ältere Modelle preislich unter Druck – bleiben aber trotzdem oft absolut alltagstauglich. Gerade bei Fahrzeugen mit solider Reichweite, gutem Akku-Zustand und nachvollziehbarer Wartung kann der niedrigere Preis ein klarer Vorteil sein.
Für Verkäufer*innen bleibt der Restwert ein wichtiger Punkt. Wer den Akku, die Software, Zubehörteile, aber auch alle Wartungen gut dokumentiert, kann Vertrauen schaffen und den Kauf attraktiver machen. Für Käufer*innen entsteht dagegen eine spannende Gelegenheit: Viele gebrauchte Stromer sind relativ jung, verfügen über eine gute Ausstattung sind und liegen preislich deutlich unterhalb des Neuwagenniveaus.
