Im Gespräch erzählt sie von den größten Highlights und Stolpersteinen der Vorbereitungsphase – und gibt Tipps für alle, die bei einer umfassenden Haussanierung selbst gerade überlegen, wo sie anfangen sollen.
Was für ein Haus soll saniert werden?
Jessi: Wir sind im Dezember 2024 eingezogen, ein Haus im Schwarzwald, nicht weit weg von Straßburg. Baujahr 1955, mit einem Anbau von 1977. Also im Grunde zwei Baujahre, zwei Zustände: Der ältere Teil hat noch eine alte Ölheizung und teilweise nur zweifach verglaste Fenster, der Anbau ist immerhin schon etwas moderner. Ein bisschen wie ein Haus mit zwei Persönlichkeiten. Die Lage ist toll, und trotz aller Baustellen lieben wir den Charme, zwei unserer Bäder haben wir zum Beispiel ganz bewusst im Original-60er-Jahre-Stil gelassen.
Was war der Auslöser, jetzt mit der Sanierung zu starten?
Jessi: Ehrlich gesagt: die allererste Nacht. Es war so kalt, dass uns nachts der Atem als Dampf vor dem Mund stand, und wir ernsthaft gedacht haben: Das schaffen wir keine weitere Nacht. Bis dahin war uns gar nicht klar, wie schlecht das Haus tatsächlich gedämmt ist. Danach war klar: Wir müssen ran. Eine Ölheizung, die man eher ahnt als hört, dazu Zugluft an den alten Fenstern, das spürt man einfach jeden Winter aufs Neue. Und weil wir ohnehin auf ein E-Auto umgestiegen sind, kam die Frage nach Wallbox, Photovoltaik und Co. fast automatisch dazu. Aus einer einzelnen Baustelle wurde so relativ schnell ein Gesamtprojekt.

Das erste Projekt, das Jessi in ihrem Haus im Schwarzwald realisiert hat, ist die Wallbox für Ihr E-Auto.
Wo startet man am besten mit einer Sanierung, wenn so viele Entscheidungen getroffen werden müssen?
Jessi: Ganz klar: mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme, bevor man irgendwas bestellt. Wie ist das Haus gedämmt, wie alt sind Fenster und Heizung wirklich, wo geht am meisten Energie verloren? Wir haben dafür den kostenlosen ModernisierungsCheck der EnBW genutzt. Man gibt seine Verbrauchsdaten, die Heizungsart und ein paar Eckdaten zum Haus ein und bekommt einen persönlichen Bericht: wärmetechnischer Zustand, Einsparpotenziale, Hinweise zu Förderungen. Das war für uns der Moment, in dem aus einem diffusen “wir sollten mal was machen” ein echter Fahrplan wurde.
Was war bislang das größte Highlight der Sanierung?
Jessi: Zwei Dinge. Erstens genau dieser Moment mit dem ModernisierungsCheck, plötzlich hatten wir schwarz auf weiß, was zuerst Sinn ergibt und was warten kann. Und zweitens: Unsere Wallbox steht jetzt endlich. Die haben wir bewusst vorgezogen, weil unser E-Auto einfach nicht warten wollte, bis der Rest fertig ist. Es ist schön, nicht nur zu planen, sondern auch schon direkt etwas umgesetzt zu haben.
Was waren Lowlights: Was hat überrascht oder genervt?
Jessi: Die schiere Menge an Fachbegriffen, ganz ehrlich. Gebäudeenergiegesetz (seit Sommer 2026 durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ersetzt, Anm. d. Red.), individueller Sanierungsfahrplan, Beratungspflicht, dazu verschiedene Stromtarif-Modelle mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Am Anfang saßen wir da und wussten gar nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen.Uns hat geholfen, alles Stück für Stück auseinanderzunehmen, statt zu versuchen, an einem Abend alles zu verstehen.
Ganz konkret nervt uns außerdem unser Keller: Der Ölgeruch dort unten schlägt mittlerweile auf die Wäsche durch, die wir dort waschen. Wirklich alles riecht nach Öl. Wir freuen uns schon sehr darauf, das mit der neuen Heizung endlich los zu sein.
Und dann natürlich die Kosten. Wärmepumpe, Dämmung, PV, Speicher, Wallbox: Das ist in Summe eine deutliche Investition, da mussten wir kurz schlucken. Erst der Blick auf mögliche Förderungen hat das Ganze wieder eingeordnet, auch wenn man da vorsichtig sein muss: Programme und Konditionen ändern sich regelmäßig, man sollte also immer aktuell nachschauen, statt sich auf alte Infos zu verlassen.

Der Ölgeruch im Keller ist einer der Gründe, wegen der die Heizung langfristig einer Wärmepumpe weichen muss.
Was könnte im Nachhinein anders gemacht werden?
Jessi: Wir würden Fördermittel definitiv noch früher mitdenken. Ein Learning, das uns jemand rechtzeitig gesagt hat: Förderanträge müssen vor der Handwerker-Beauftragung gestellt werden, nicht danach. Das ist offenbar ein Klassiker, den viele falsch machen.
Wie kann entschieden werden, in welcher Reihenfolge saniert wird?
Jessi: Wir haben uns bewusst gefragt, was unser Haus energetisch wirklich voranbringt, statt einfach alles gleichzeitig zu bestellen. Die Heizung ist bei uns quasi das Herzstück. Eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen, macht uns unabhängiger von fossiler Energie. Eine PV-Anlage bringt vor allem dann richtig was, wenn man den Strom auch selbst sinnvoll nutzt – zum Beispiel fürs E-Auto oder die Wärmepumpe.
Ein Speicher wiederum sorgt dafür, dass man den eigenen Strom nicht nur bei Sonnenschein nutzen kann, sondern auch abends. Und die Dämmung, gerade beim älteren Hausteil aus den 50ern, ist zwar weniger glamourös als eine neue Heizung, bringt energetisch aber mindestens genauso viel. Bei uns steht sie trotzdem aus Zeit- und Budgetgründen eher für einen späteren Bauabschnitt.
Smart Meter und intelligente Tarife: Warum wurde die Entscheidung dafür getroffen?
Jessi: Das kam eigentlich fast automatisch dazu. Wer sich für eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder eine größere PV-Anlage entscheidet, bekommt ohnehin ein intelligentes Messsystem, umgangssprachlich Smart Meter, eingebaut. Das ist gesetzlich so vorgesehen.
Wir haben uns bei unserer Sanierung sowohl für eine Wallbox als auch für eine Wärmepumpe und eine PV-Anlage entschieden. Also haben wir uns direkt einen passenden, intelligenten Stromtarif angeschaut. Es gibt da grob mehrere Wege, vom einfachen Einstieg ohne Smart Meter bis hin zu einem Tarif, der sich direkt am Börsenstrompreis orientiert.
Wir haben uns für die planbare Mittelvariante entschieden, mit festen, günstigeren Zeitfenstern. Zur Orientierung war für uns außerdem der KI-Tarifberater auf der EnBW-Website hilfreich, kurz die eigene Situation beschreiben und man bekommt eine erste Einschätzung, welcher Tarif passen könnte.
Wie ist die Erwartungshaltung zum intelligenten Energiemanagement?
Jessi: Dass wir möglichst wenig selbst steuern müssen. Das Stichwort dafür ist HEMS, Home Energy Management System, bei EnBW heißt das System Mavi. Die Idee dahinter: Auto anstecken, die Wärmepumpe läuft automatisch und im Hintergrund optimiert das System, wann was am günstigsten läuft. Zum Beispiel lädt das Auto bevorzugt dann, wenn entweder der Strom günstig ist oder gerade die eigene PV-Anlage Strom liefert. Darauf sind wir wirklich gespannt.
Was sind die drei wichtigsten Tipps für alle, die selbst gerade eine Sanierung planen?
Jessi:
- Erstmal eine ehrliche Bestandsaufnahme machen, zum Beispiel mit dem kostenlosen ModernisierungsCheck der EnBW, statt einfach drauflos zu planen.
- Fördermöglichkeiten von Anfang an mitdenken, und zwar vor der Handwerker- Beauftragung, nicht danach.
- Sich nicht von Fachbegriffen einschüchtern lassen. Fragen kostet nichts, und die meisten Themen lassen sich Schritt für Schritt gut verstehen, wenn man sie einzeln angeht statt alle auf einmal.
Wie läuft die Sanierung weiter?
Jessi: Wärmepumpe, PV-Anlage, Speicher und Dämmung stehen bei uns noch aus, das ist alles noch in Planung. Die Wallbox ist bislang unser einziger abgeschlossener Baustein. Sobald mehr passiert, gibt’s definitiv ein Update, wir dokumentieren die ganze Reise ja ohnehin.
